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Morningstar sieht Abschläge bei SAP, Nvidia und Broadcom. Das steckt hinter der Auswahl.

Morningstar sieht derzeit bei zwölf internationalen Technologieaktien einen deutlichen Abstand zum eigenen Fair Value. Besonders auffällig sind Broadcom, SAP und Nvidia. Die Auswahl zeigt zugleich, welche Bereiche des Technologiesektors das Analysehaus trotz hoher Erwartungen weiterhin für attraktiv bewertet.
Die Liste basiert auf Daten vom 3. September 2026. Morningstar berücksichtigt Aktien unter dem eigenen Fair Value mit einem breiten wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteil. Zusätzlich fließt eine Bewertung der Unsicherheit in die Auswahl ein. Für IT-Entscheider ist die Liste weniger als Börsensignal interessant. Sie zeigt vielmehr, welche Anbieter in KI-Infrastruktur, Halbleitern und Enterprise-Software derzeit im Fokus stehen.
Morningstar nutzt für seine Auswahl das Verhältnis zwischen Aktienkurs und geschätztem Fair Value. Ein Wert unter 1 bedeutet, dass der Marktpreis unter der internen Fair-Value-Schätzung liegt.
Der größte Abstand entfällt auf Broadcom mit 45 Prozent. Es folgen Fair Isaac mit 30 Prozent sowie Broadridge und SAP mit jeweils 28 Prozent. NXP Semiconductors und Sony erreichen jeweils 27 Prozent. Monolithic Power Systems und Nvidia liegen bei 26 Prozent. Tyler Technologies folgt mit 24 Prozent, TSMC und Texas Instruments mit 22 Prozent sowie Synopsys mit 20 Prozent.
Diese Werte sind keine objektiv feststehenden Unterbewertungen. Sie beruhen auf Morningstars Annahmen zu Wachstum, Margen, Wettbewerb und Risiken. Die Fair-Value-Schätzungen können sich ändern, sobald sich Kurse, Aussichten oder Modellannahmen verändern.
Broadcom weist in der aktuellen Liste den größten Bewertungsabschlag auf. Morningstar nennt einen Fair Value von 650 US-Dollar und stuft die Bewertungsunsicherheit als hoch ein. Wichtige Treiber sieht das Analysehaus bei Netzwerkchips, kundenspezifischen KI-Beschleunigern und Infrastruktursoftware.
Die jüngsten Geschäftszahlen unterstreichen die Bedeutung des KI-Geschäfts. Broadcom meldete für sein drittes Geschäftsquartal 2026 einen Umsatz von 29,6 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz mit KI-Halbleitern erreichte 16,7 Milliarden US-Dollar und wuchs gegenüber dem Vorjahr um 221 Prozent.
Bei Nvidia sieht Morningstar einen Abschlag von 26 Prozent zum Fair Value von 310 US-Dollar. Gleichzeitig lautet die Unsicherheitsbewertung „Very High“. Diese Einschränkung ist wesentlich, weil ein großer Teil der Bewertung vom weiteren Tempo des weltweiten KI-Ausbaus abhängt.
Nvidia meldete für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 89 Milliarden US-Dollar auf das Rechenzentrumsgeschäft. Der Bereich wuchs gegenüber dem Vorjahr um 117 Prozent. Die Entwicklung ordnet IT-Dock auch im Beitrag zu den Nvidia Quartalszahlen aus Infrastrukturperspektive ein.
Mehrere Unternehmen der Morningstar-Auswahl sitzen direkt in der Wertschöpfungskette moderner Rechenzentren. Nvidia liefert Beschleuniger und Netzwerktechnik. Broadcom ist bei Netzwerkchips und kundenspezifischen Beschleunigern aktiv. TSMC fertigt Hochleistungschips, während Monolithic Power Systems unter anderem Komponenten für die Stromversorgung entwickelt.
Synopsys ergänzt diese Kette mit Entwicklungssoftware und geistigem Eigentum für Chipdesigns. Texas Instruments und NXP decken weitere Halbleitersegmente für Rechenzentren, Industrie und vernetzte Systeme ab.
Für Unternehmen folgt daraus keine Investitionsempfehlung. Die Konzentration macht jedoch sichtbar, wie stark Kapitalbedarf und technische Abhängigkeiten rund um KI-Infrastruktur gestiegen sind. Neben Rechenleistung gewinnen Netzwerke, Stromversorgung, Fertigungskapazitäten und Entwicklungssoftware an strategischer Bedeutung.
Auch Broadcoms Softwaregeschäft reicht direkt in Unternehmensinfrastrukturen hinein. Nach der VMware-Übernahme entwickelt der Konzern VMware Cloud Foundation stärker in Richtung Private Cloud und KI-Betrieb. IT-Dock hat die jüngsten Änderungen der VMware Explore 2026 separat eingeordnet.
SAP bildet den Enterprise-Software-Gegenpol zur Halbleiterlastigkeit der Auswahl. Morningstar bewertet die betrachtete SAP-ADR mit einem Abschlag von 28 Prozent zum eigenen Fair Value von 302 US-Dollar. Die Unsicherheit stuft das Analysehaus als mittel ein.
Operativ setzt SAP seine Verschiebung in Richtung Cloud fort. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Current Cloud Backlog auf 22,9 Milliarden Euro und damit um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Clouderlöse legten um 22 Prozent zu, die Erlöse der Cloud ERP Suite um 25 Prozent.
Für mittelständische SAP-Kunden ist diese Entwicklung vor allem strategisch relevant. Cloud-Verträge, Betriebsmodelle und die Migration älterer ERP-Systeme beeinflussen langfristig Kosten und Anbieterabhängigkeiten. Die konkreten Wege und Fristen behandelt der IT-Dock Leitfaden zur SAP S/4HANA Migration.
Die zwölf unterbewerteten Tech-Aktien zeigen, wo Morningstar derzeit Abstände zwischen Marktpreis und eigener Bewertung sieht. Sie belegen jedoch nicht, dass diese Kurse künftig steigen. Besonders bei Nvidia und Broadcom bleiben die Bewertungen stark vom weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur abhängig.
Für IT-Entscheider ist deshalb weniger das Kursziel entscheidend als die Marktstruktur dahinter. Halbleiter, Netzwerke, Energieversorgung, Cloud-ERP und Infrastruktursoftware bleiben zentrale Investitionsfelder. Gleichzeitig wächst die strategische Bedeutung weniger großer Plattform- und Komponentenlieferanten.
Aktuelle Entwicklungen zu Cloud, KI und Infrastruktur bündelt der IT-Dock Newsletter. Die Einordnungen richten sich an IT-Entscheider im Mittelstand.
Quellen:
Morningstar, „The best global tech stocks to buy“ > Morningstar
SAP, „Ergebnisse für Q2 und erstes Halbjahr 2026“ > SAP
Nvidia, „Financial Results for Second Quarter Fiscal 2027“ > Nvidia Investor Relations
Broadcom, „Third Quarter Fiscal Year 2026 Financial Results“ > Broadcom Investor Relations
Börse Online, Ausgangsartikel > Börse Online
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