Personalausweis ohne Adresse
Neue Ausweisgeneration rückt digitale Identitäten in den Fokus
Glasfaserausbau in Deutschland wächst, doch viele Anschlüsse bleiben ungenutzt. Das sollten IT-Entscheider wissen.

Deutschland baut sein Glasfasernetz weiter aus. Doch zwischen verfügbarer Infrastruktur und tatsächlich genutzten Anschlüssen klafft weiterhin eine große Lücke. Ende 2025 waren 27,1 Millionen potenzielle Endkunden mindestens als „Homes Passed“ erfasst. Aktiv genutzt wurden jedoch nur 6,4 Millionen FTTB- und FTTH-Anschlüsse.
Damit wird deutlich: Deutschlands Glasfaserproblem ist längst nicht mehr nur eine Frage des Ausbautempos. Zunehmend geht es darum, vorhandene Infrastruktur tatsächlich bis in Gebäude zu bringen und Kunden auf die neuen Netze zu migrieren.
Die Zahl der aktiven Glasfaseranschlüsse ist zuletzt deutlich gestiegen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur erhöhte sich die Zahl der aktiven FTTB- und FTTH-Anschlüsse innerhalb eines Jahres von 5,3 auf 6,4 Millionen.
Davon entfielen 5,2 Millionen auf FTTH-Anschlüsse, bei denen die Glasfaser bis zum Endkunden geführt wird. Weitere 1,2 Millionen Anschlüsse waren als FTTB realisiert, bei denen die Glasfaser bis ins Gebäude reicht.
Damit liefen Ende 2025 rund 16,5 Prozent aller aktiven Festnetz-Breitbandanschlüsse in Deutschland über Glasfaser.
Deutlich größer ist allerdings die Zahl der grundsätzlich erreichbaren Standorte. Die Bundesnetzagentur meldete Ende 2025 rund 27,1 Millionen sogenannte Homes Passed. Dabei verläuft die Glasfaserinfrastruktur bereits in unmittelbarer Nähe eines Grundstücks, ohne dass zwingend ein vollständiger Anschluss bis zum Gebäude oder in die Nutzungseinheit besteht.
Tatsächlich fertig angeschlossen waren 10,4 Millionen Einheiten.
Die Zahlen zeigen damit eine deutliche Lücke zwischen Ausbau, realisiertem Anschluss und tatsächlicher Nutzung.
Die sogenannte Take-up-Rate lag Ende 2025 bei rund 24 Prozent. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen aktiven Glasfaseranschlüssen und Homes Passed.
Anders gesagt: Ein erheblicher Teil der bereits aufgebauten Infrastruktur wird noch nicht aktiv genutzt.
Die Bundesnetzagentur weist allerdings darauf hin, dass die Zahl der Homes Passed nicht mit der Zahl eindeutig versorgter Haushalte gleichgesetzt werden darf. Unter anderem können durch parallel ausbauende Netzbetreiber Mehrfacherfassungen entstehen.
Dennoch bleibt die grundsätzliche Aussage bestehen: Der Glasfaserausbau schreitet schneller voran als die tatsächliche Aktivierung der Anschlüsse.
Auch das Bundesdigitalministerium sieht inzwischen nicht mehr allein die Netzabdeckung als Herausforderung.
Nach Angaben des Ministeriums hatten Ende 2025 knapp 50 Prozent der Haushalte Zugang zu einem Glasfaseranschluss oder konnten diesen kurzfristig herstellen lassen. Gleichzeitig entscheidet sich ein erheblicher Teil der Haushalte weiterhin gegen einen entsprechenden Tarif.
Damit verschiebt sich die Herausforderung zunehmend vom reinen Ausbau zur tatsächlichen Nutzung.
Für Netzbetreiber ist das wirtschaftlich relevant. Neue Glasfasernetze müssen finanziert und betrieben werden, während gleichzeitig Millionen Kunden weiterhin bestehende DSL-Anschlüsse über das Kupfernetz nutzen.
Auch bei aktiven Glasfaseranschlüssen greifen viele Kunden nicht zu den höchsten verfügbaren Bandbreiten.
Von den 6,4 Millionen aktiven Glasfaseranschlüssen lagen Ende 2025 rund 2,6 Millionen im Bereich zwischen 100 und unter 300 Mbit/s. Rund 700.000 Anschlüsse verfügten über eine vermarktete Bandbreite von mindestens einem Gigabit pro Sekunde.
Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass Nutzer ihre Anschlüsse technisch kaum auslasten. Die Statistik erfasst die gebuchte beziehungsweise vermarktete Maximalbandbreite, nicht den tatsächlichen Datenverkehr.
Trotzdem zeigt die Verteilung, dass die Nachfrage nach besonders hohen Bandbreiten bislang deutlich geringer ist als die technische Leistungsfähigkeit moderner Glasfasernetze.
Für die Netzbetreiber entsteht dadurch eine zusätzliche Belastung.
Solange viele Kunden ihre DSL-Anschlüsse weiterverwenden, müssen bestehende Kupfernetze parallel zur neuen Glasfaserinfrastruktur betrieben werden. Gleichzeitig sollen sich die hohen Investitionen in den Glasfaserausbau langfristig amortisieren.
Die Bundesnetzagentur beschäftigt sich deshalb bereits intensiv mit der Migration vom Kupfer- auf das Glasfasernetz.
Anfang 2026 stellte die Behörde ein Konzept für eine schrittweise Abschaltung alter Kupfernetze vor. Ein regionaler Migrationsprozess soll demnach beginnen können, wenn mindestens 80 Prozent der Haushalte und Unternehmen mit FTTH versorgt sind und geeignete Vorleistungsangebote für andere Anbieter vorhanden sind.
Vor einer tatsächlichen Abschaltung soll grundsätzlich eine nahezu flächendeckende Glasfaserversorgung bestehen.
Ein bundesweit verbindlicher Abschaltfahrplan existiert damit allerdings noch nicht.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der sogenannte Open Access.
Dabei erhalten andere Telekommunikationsanbieter Zugang zu bestehenden Glasfasernetzen und können darüber eigene Dienste anbieten. Das soll verhindern, dass Kunden nach der Abschaltung des Kupfernetzes ausschließlich an den jeweiligen Netzbetreiber gebunden sind.
Gerade für Unternehmen ist dieser Punkt relevant. Schließlich hängt von offenen Netzen auch ab, ob an einem Standort mehrere Provider zur Auswahl stehen oder lediglich ein einzelner Netzbetreiber verfügbar ist.
Damit wird der Glasfaserausbau zunehmend auch zu einer Wettbewerbsfrage.
Trotz wachsender Ausbauzahlen liegt Deutschland bei der Glasfaserabdeckung weiterhin hinter vielen anderen europäischen Staaten.
Auch die EU-Kommission hatte Deutschland zuletzt empfohlen, den Ausbau leistungsfähiger Glasfasernetze weiter zu beschleunigen.
Die niedrige Take-up-Rate bedeutet deshalb nicht, dass Deutschland weniger Glasfaser bauen müsste. Vielmehr müssen zwei Herausforderungen gleichzeitig gelöst werden.
In Regionen ohne ausreichende Versorgung muss zusätzliche Infrastruktur entstehen. Gleichzeitig müssen vorhandene Netze stärker bis in Gebäude und Nutzungseinheiten geführt und anschließend tatsächlich aktiviert werden.
Für Unternehmen ist die bundesweite Glasfaserquote nur begrenzt aussagekräftig.
Entscheidend ist die konkrete Situation am jeweiligen Unternehmensstandort. Besonders bei Filialnetzen, Produktionsstätten oder geografisch verteilten Niederlassungen kann die verfügbare Infrastruktur erheblich variieren.
IT-Verantwortliche sollten deshalb genau prüfen, was Anbieter mit einer gemeldeten Glasfaserverfügbarkeit tatsächlich meinen.
Ein als „Homes Passed“ ausgewiesener Standort bedeutet nicht automatisch, dass ein Glasfaseranschluss bereits vollständig bis zum Unternehmen verlegt wurde oder kurzfristig aktiviert werden kann.
Neben der reinen Verfügbarkeit spielen deshalb auch Bereitstellungszeiten, mögliche Baukosten, verfügbare Carrier und alternative Leitungswege eine wichtige Rolle.
Mit der kommenden Migration vom Kupfer- auf das Glasfasernetz gewinnt zudem die Providerstrategie an Bedeutung. Open-Access-Modelle können darüber entscheiden, ob Unternehmen auch auf einer vorhandenen Glasfaserinfrastruktur zwischen mehreren Anbietern wählen können.
Für geschäftskritische Standorte bleiben daher Redundanz, physisch getrennte Leitungswege und alternative Zugangstechnologien wichtige Bestandteile einer resilienten Netzstrategie.
Deutschlands Glasfaserproblem lässt sich nicht mehr allein mit fehlender Infrastruktur erklären.
Der Ausbau schreitet voran, doch ein großer Teil der vorbereiteten oder bereits fertiggestellten Glasfaseranschlüsse wird bislang nicht aktiv genutzt.
Die nächste Phase des Ausbaus wird deshalb anspruchsvoller: Glasfaser muss nicht nur in Straßen und Gebäude gebracht werden. Kunden müssen tatsächlich auf die neue Infrastruktur wechseln, alte Kupfernetze schrittweise ersetzt und gleichzeitig Wettbewerb auf den neuen Netzen gesichert werden.
Für IT-Entscheider bedeutet das vor allem eines: Eine einfache Glasfaser-Verfügbarkeitsanzeige reicht für die Standort- und Infrastrukturplanung künftig nicht mehr aus.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare vorhanden.