ADFGVX-Funkspruch: KI entschlüsselt Nachricht von 1918
Was belegt ist, warum der Schlüssel Fragen aufwirft und was offenbleibt.
AWS European Sovereign Cloud erhält Amazon Bedrock mit Gemma 4. Die KI-Inferenz bleibt laut AWS innerhalb der EU-Region.

AWS erweitert seine European Sovereign Cloud um generative KI. Seit dem 17. September stehen dort erstmals Open-Weight-Modelle über Amazon Bedrock allgemein zur Verfügung. Den Anfang macht Googles Modellfamilie Gemma 4.
Für europäische Unternehmen ist vor allem die Architektur relevant. Die Inferenz erfolgt innerhalb der Region in Brandenburg. Eine globale Weiterleitung von Anfragen über andere AWS-Regionen ist in der AWS European Sovereign Cloud nicht verfügbar.
Die AWS European Sovereign Cloud ist seit Januar 2026 verfügbar. Sie nutzt mit eusc-de-east-1 eine eigene Region und ist von der kommerziellen AWS-Cloud getrennt. Infrastruktur und Betrieb befinden sich laut AWS vollständig innerhalb der Europäischen Union.
Mit Amazon Bedrock ergänzt AWS diese Umgebung nun um generative KI auf Basis von Open-Weight-Modellen. Bereits im Mai hatte das Unternehmen weitere KI-Funktionen angekündigt. Dazu gehörten Modelle von Mistral AI und OpenAI sowie Amazon Nova 2 Lite. Diese Ankündigungen sind jedoch nicht mit der jetzt bestätigten allgemeinen Verfügbarkeit von Gemma 4 gleichzusetzen.
Zum Start stellt AWS drei Varianten von Google Gemma 4 bereit. Gemma 4 31B ist als dichtes Modell für rechenintensive Reasoning- und Coding-Aufgaben ausgelegt. Gemma 4 26B-A4B verwendet eine Mixture-of-Experts-Architektur. Hinzu kommt das kompaktere Gemma 4 E2B für latenzkritische Anwendungen.
Die beiden größeren Varianten unterstützen laut AWS Kontextfenster mit bis zu 256.000 Tokens. Alle drei Modelle bieten integriertes Reasoning, Function Calling sowie die Verarbeitung von Text und Bildern. Die Modellfamilie steht unter der Apache-2.0-Lizenz.
Bedrock stellt die Modelle über seine neue Inferenz-Engine bereit. Deren Schnittstelle unterstützt sowohl die Responses API als auch Chat Completions und ist mit OpenAI-APIs kompatibel. Bestehende Anwendungen auf Basis des OpenAI SDK lassen sich dadurch mit Anpassungen an Endpunkt und Authentifizierung anbinden.
Für Unternehmen mit Anforderungen an die Datenresidenz ist entscheidend, wo die eigentliche Verarbeitung erfolgt. AWS gibt an, sämtliche Bedrock-Inferenzanfragen in der Region eusc-de-east-1 zu verarbeiten. Global Cross-Region Inference steht dort nicht zur Verfügung.
AWS zufolge verbleiben auch von Kunden erstellte Metadaten wie Rollen, Berechtigungen, Ressourcenbezeichnungen und Konfigurationen innerhalb der EU. Den täglichen Betrieb übernehmen derzeit ausschließlich AWS-Mitarbeiter mit Wohnsitz in der Europäischen Union. AWS will schrittweise auf einen Betrieb ausschließlich durch EU-Bürger innerhalb der EU umstellen.
Damit unterscheidet sich das Angebot von KI-Diensten, bei denen Anfragen je nach Kapazität über mehrere globale Regionen verteilt werden können.
Auch die Sicherheitsarchitektur von Bedrock spielt bei sensiblen KI-Workloads eine Rolle. AWS beschreibt die neue Inferenz-Engine mit einem sogenannten Zero Operator Access. Service-Mitarbeiter sollen dadurch während der Inferenz nicht auf Ein- und Ausgaben zugreifen können.
Standardmäßig verwendet der Dienst zudem ein Zero-Data-Retention-Modell. Eingaben und Ausgaben werden demnach nicht dauerhaft gespeichert. AWS weist allerdings darauf hin, dass für einzelne Modelle eine begrenzte Aufbewahrung zur Erkennung von Missbrauch gelten kann.
Unternehmen können den Zugriff zusätzlich über AWS Identity and Access Management steuern. API-Aufrufe werden über CloudTrail protokolliert. CloudWatch lässt sich zur Überwachung der Nutzung und für Alarme einsetzen. AWS empfiehlt für produktive Anwendungen kurzlebige Zugangsdaten.
Die Bezeichnung European Sovereign Cloud stammt von AWS und beschreibt eine technisch und organisatorisch stärker abgegrenzte AWS-Umgebung. Die separate Region, EU-basierter Betrieb und regionale Verarbeitung schaffen zusätzliche Kontrollmöglichkeiten gegenüber global verteilten Cloud-Diensten.
Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass jede Anwendung regulatorische oder unternehmensinterne Anforderungen erfüllt. AWS selbst empfiehlt Kunden, KI-Workloads anhand ihrer konkreten Vorgaben für Datenresidenz, Modell-Governance und operative Kontrolle zu bewerten.
Das gilt insbesondere für regulierte Branchen. Neben dem Standort der Verarbeitung müssen Unternehmen beispielsweise Berechtigungen, verwendete Modelle, Datenklassen, Protokollierung und vertragliche Anforderungen berücksichtigen.
Mit Bedrock wird die AWS European Sovereign Cloud für Unternehmen interessanter, die generative KI und strengere Vorgaben zur Datenresidenz verbinden wollen. Gleichzeitig ist die verfügbare Modellpalette derzeit kleiner als im regulären Bedrock-Angebot.
Unternehmen sollten deshalb nicht allein auf den Standort der Infrastruktur schauen. Relevant sind auch die verfügbaren Modelle, deren Lizenzbedingungen, Zugriffskontrollen und der Umgang mit Ein- und Ausgabedaten.
Die AWS European Sovereign Cloud erweitert damit ihre Rolle von einer abgegrenzten Cloud-Infrastruktur zu einer Plattform für KI-Workloads. Wie breit das Angebot wird, hängt auch davon ab, wann die bereits angekündigten weiteren Modelle und KI-Funktionen tatsächlich allgemein verfügbar werden.
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