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Was belegt ist, warum der Schlüssel Fragen aufwirft und was offenbleibt.

Ein bislang ungelöster deutscher ADFGVX-Funkspruch aus dem Jahr 1918 lässt sich mit Unterstützung von KI in einen plausiblen Klartext überführen. Das Ergebnis ist inzwischen technisch reproduzierbar. Allerdings hat die KI die historische Verschlüsselung nicht vollständig ohne Vorwissen gebrochen.
Der unter dem Namen „prinz“ veröffentlichende Autor schreibt, dass OpenAIs GPT-6 Astra die Nachricht entschlüsselt habe. Der Funkspruch wurde am 27. November 1918 übertragen und umfasst 170 verschlüsselte Zeichen. Er gehörte zu einer Reihe deutscher Militärnachrichten, die mit dem ADFGVX-Verfahren geschützt wurden.
Der rekonstruierte Text meldet die Ankunft eines englischen Kreuzers in Sewastopol. Außerdem kündigt er für den 26. November die Ankunft eines alliierten Geschwaders an. Eine Ziffer des ersten Datums bleibt im entschlüsselten Text zunächst mehrdeutig.
Historische Aufzeichnungen passen zu dieser Interpretation. Die HMS Canterbury erreichte Sewastopol am 24. November 1918. Ein alliiertes Geschwader folgte am 26. November. Diese Übereinstimmung stützt die Plausibilität des rekonstruierten Klartexts, beweist aber für sich allein noch keine erstmalige historische Entschlüsselung.
Das ADFGVX-Verfahren kombiniert Substitution und Spaltentransposition. Zeichen werden zunächst mithilfe eines Rasters in Buchstabenpaare übertragen. Anschließend verändert eine Transposition deren Reihenfolge. Dadurch lassen sich die ursprünglichen Paare im abgefangenen Text nicht direkt erkennen.
Für die aktuelle Lösung verwendete Astra das Schlüsselwort „TRUPPENVERSCHIEBUNG“. Dieses Wort war jedoch bereits in historischen Unterlagen über deutsche Militärchiffren dokumentiert. Die KI musste den Schlüssel deshalb offenbar nicht allein aus dem Geheimtext rekonstruieren.
Mit dem 19 Zeichen langen Schlüssel lässt sich die Spaltenstruktur der 170 Zeichen wiederherstellen. Anschließend können die Zeichenpaare dem bekannten ADFGVX-Raster zugeordnet werden. Eine inzwischen veröffentlichte unabhängige technische Überprüfung startet ebenfalls beim archivierten Geheimtext und erzeugt mit dem angegebenen Schlüssel denselben Klartext.
Die größte offene Frage betrifft den Zeitpunkt. Nach den herangezogenen historischen Unterlagen wurde „TRUPPENVERSCHIEBUNG“ erst ab dem 9. Dezember 1918 als Schlüssel verwendet. Der Funkspruch wurde jedoch bereits am 27. November übertragen. Warum das Schlüsselwort trotzdem funktioniert, ist bislang nicht geklärt.
Diese Diskrepanz ist für die Bewertung entscheidend. Möglich ist beispielsweise, dass historische Angaben zum Einsatzzeitraum unvollständig sind. Belegt ist das derzeit nicht. Die zeitliche Abweichung sollte deshalb nicht mit einer Erklärung versehen werden, solange entsprechende Quellen fehlen.
Auch die Behauptung einer erstmaligen Entschlüsselung bleibt vorsichtig zu behandeln. Der ursprüngliche Autor schreibt selbst lediglich, ihm sei keine frühere Lösung dieser Nachricht bekannt. Eine umfassende historische Prüfung aller Archive ersetzt diese Aussage nicht.
Technisch spricht inzwischen einiges dafür, dass die veröffentlichte Entschlüsselung mit dem angegebenen Schlüssel funktioniert. Die unabhängige Nachberechnung reproduziert den Klartext aus dem archivierten Chiffretext. Auch die historischen Ereignisse in Sewastopol stimmen mit dem Inhalt der Nachricht überein.
Davon zu unterscheiden ist die Frage, welchen Anteil die KI an der eigentlichen kryptanalytischen Leistung hatte. Da das passende Schlüsselwort bereits dokumentiert war, handelt es sich nicht um einen Nachweis, dass ein KI-Modell eine unbekannte Chiffre vollständig ohne Hinweise gebrochen hat.
Ebenso lässt sich aus dem Fall keine neue Bedrohung für moderne Verschlüsselungsverfahren ableiten. ADFGVX ist ein historisches manuelles Verfahren aus dem Ersten Weltkrieg. Moderne kryptografische Systeme basieren auf grundlegend anderen mathematischen Verfahren.
Für Unternehmen ist deshalb weniger die historische Chiffre interessant als der Arbeitsablauf dahinter. Moderne KI-Systeme können Quellen durchsuchen, bekannte Informationen kombinieren, Berechnungen durchführen und Ergebnisse mit weiteren Dokumenten abgleichen.
Ähnliche Prinzipien spielen auch bei Agentic AI eine Rolle. Dort bearbeiten Systeme Aufgaben über mehrere Schritte und greifen dafür auf externe Werkzeuge und Datenquellen zu. Entscheidend bleibt jedoch, dass Ergebnisse reproduzierbar und ihre Quellen nachvollziehbar sind.
Der ADFGVX-Funkspruch zeigt damit sowohl das Potenzial als auch eine Grenze solcher Systeme. Die KI konnte bekannte Informationen zu einer überprüfbaren Lösung zusammenführen. Gleichzeitig hängt die Bewertung wesentlich davon ab, welche Informationen bereits verfügbar waren und wie belastbar deren Herkunft ist.
Für IT-Verantwortliche bleibt deshalb ein bekanntes Prinzip zentral: Ein plausibles KI-Ergebnis ist noch kein geprüfter Befund. Erst nachvollziehbare Quellen, reproduzierbare Schritte und unabhängige Kontrolle machen aus einer interessanten Antwort ein belastbares Ergebnis.
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