H&M-Störung: Unternehmen nennt Wartung als Ursache
H&M-Störung: Der Konzern nennt Wartung als Ursache des Website-Ausfalls. Berichte über Hacker bleiben unbestätigt.
Ransomware, DDoS und digitale Abhängigkeiten erhöhen die Cyberrisiken für Unternehmen.

Die europäische Cybersecurity-Agentur ENISA warnt vor wachsenden Risiken durch digitale Abhängigkeiten. Der neue ENISA Threat Landscape 2026 zeigt, dass Ransomware, DDoS-Angriffe und geopolitisch motivierte Aktivitäten weiterhin zu den wichtigsten Bedrohungen für Organisationen in der EU gehören. Gleichzeitig vergrößert die zunehmende Vernetzung von IT-Systemen, Cloud-Diensten und Dienstleistern die Angriffsfläche.
Für Unternehmen bedeutet das: Nicht nur die eigene Infrastruktur entscheidet über das Sicherheitsniveau. Auch externe Plattformen, IT-Dienstleister und digitale Lieferketten werden zu einem wesentlichen Bestandteil der Cyberresilienz.
Für den aktuellen Bericht hat ENISA Cybervorfälle und Aktivitäten ausgewertet, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2025 beobachtet wurden. Die Behörde beschreibt eine Bedrohungslage, die weiterhin von wiederkehrenden Angriffsmustern, geopolitischen Entwicklungen und stärker vernetzten digitalen Ökosystemen geprägt ist.
Ein zentrales Ergebnis ist dabei die wachsende Bedeutung digitaler Abhängigkeiten. Je stärker Unternehmen, Behörden und kritische Einrichtungen auf gemeinsame Plattformen, Softwareanbieter und Dienstleister angewiesen sind, desto größer können die Auswirkungen eines einzelnen Sicherheitsvorfalls ausfallen. ENISA sieht deshalb einen erhöhten Bedarf an Prävention und Cyberresilienz.
Ransomware bleibt laut ENISA die kurzfristig folgenreichste Art von Cybervorfällen. Angriffe mit Erpressungssoftware können Geschäftsprozesse unterbrechen, Daten unzugänglich machen und erhebliche Folgekosten verursachen.
Für Unternehmen bleibt damit nicht nur die Abwehr von Schadsoftware relevant. Entscheidend sind auch funktionierende Backup-Konzepte, Wiederherstellungsprozesse und klar definierte Abläufe für Sicherheitsvorfälle.
Gerade bei stark vernetzten IT-Umgebungen steigt zudem die Bedeutung von Abhängigkeiten. Ein Vorfall bei einem zentralen Softwareanbieter oder IT-Dienstleister kann Auswirkungen auf mehrere Kunden gleichzeitig haben.
Geopolitische Entwicklungen beeinflussen die Cyberbedrohungslage ebenfalls. ENISA beobachtet weiterhin DDoS-Kampagnen, die häufig von hacktivistischen Gruppen ausgehen und insbesondere Einrichtungen mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung treffen.
Die öffentliche Verwaltung bleibt der am häufigsten betroffene Bereich. Auf sie entfallen laut ENISA 32 Prozent der erfassten Fälle. Weitere betroffene Branchen sind Business Services und Transport mit jeweils 8 Prozent sowie Fertigung mit 7 Prozent und Finanz- und Bankwesen mit 6 Prozent.
Bei öffentlichen Verwaltungen entfielen 82 Prozent der erfassten Ereignisse auf ideologisch motivierte DDoS-Angriffe. Das zeigt, wie stark politische und geopolitische Entwicklungen inzwischen auch die operative IT-Sicherheit beeinflussen.
Der ENISA Threat Landscape 2026 rückt neben einzelnen Angriffsmethoden vor allem die Vernetzung digitaler Systeme in den Mittelpunkt.
Unternehmen arbeiten heute mit Cloud-Plattformen, Software-as-a-Service-Angeboten, Managed Service Providern und spezialisierten Softwarelieferanten. Diese Architektur erleichtert den Betrieb, schafft aber neue Abhängigkeiten.
Fällt ein zentraler Anbieter aus oder wird dessen Infrastruktur kompromittiert, kann ein einzelner Vorfall mehrere Unternehmen gleichzeitig betreffen. Damit wird die Sicherheit von Dienstleistern und Lieferanten zunehmend Teil der eigenen Sicherheitsstrategie.
Für IT-Verantwortliche gewinnt deshalb das Management von Drittanbieter-Risiken an Bedeutung. Dazu gehören technische Sicherheitsanforderungen ebenso wie Wiederherstellungspläne und die Frage, welche geschäftskritischen Systeme von einzelnen Anbietern abhängig sind.
Die Zahlen von ENISA zeigen außerdem eine starke Konzentration der Angriffe auf Organisationen, die unter die NIS2-Systematik fallen. 73 Prozent der betroffenen Organisationen gehören laut ENISA zu Einrichtungen, die nach NIS2 als wesentlich oder wichtig gelten.
Damit treffen Cyberangriffe besonders häufig Bereiche, deren Ausfall erhebliche Auswirkungen auf Wirtschaft oder Gesellschaft haben kann.
Für betroffene Unternehmen erhöht sich deshalb der Druck, Cyberrisiken nicht ausschließlich technisch zu betrachten. Risikomanagement, Meldeprozesse und organisatorische Maßnahmen werden zunehmend Teil der regulatorischen Anforderungen.
ENISA erwartet außerdem, dass neue KI-Modelle zunehmend zur Unterstützung bösartiger Aktivitäten eingesetzt werden.
Dabei geht es weniger um völlig neue Angriffskategorien als um die mögliche Automatisierung und Skalierung bestehender Methoden. KI kann beispielsweise dazu beitragen, Inhalte schneller anzupassen oder Angriffsprozesse effizienter vorzubereiten.
Für Unternehmen bedeutet das, bestehende Schutzmaßnahmen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit zu prüfen. Gleichzeitig sollte der Einsatz von KI nicht isoliert betrachtet werden. Identitätsmanagement, Zugriffskontrollen und die Absicherung von Schnittstellen bleiben zentrale Grundlagen.
Der Bericht macht deutlich, dass Cyberresilienz zunehmend über die eigene IT-Umgebung hinausgeht.
Unternehmen sollten insbesondere prüfen, welche externen Anbieter für geschäftskritische Prozesse notwendig sind. Dazu zählen Cloud-Dienste, Softwareanbieter, Managed Service Provider und weitere technische Dienstleister.
Ebenso relevant ist die Frage, wie der Betrieb bei einem Ausfall dieser Anbieter weitergeführt werden kann. Business-Continuity-Konzepte sollten deshalb auch Szenarien berücksichtigen, bei denen externe Plattformen oder Lieferanten zeitweise nicht verfügbar sind.
Zusätzlich gewinnen kontrollierte Zugriffsrechte, belastbare Backup-Strategien und vorbereitete Incident-Response-Prozesse an Bedeutung.
Der ENISA Threat Landscape 2026 zeigt eine Cyberbedrohungslage, die nicht allein durch einzelne Angriffsmethoden bestimmt wird. Entscheidend wird zunehmend, wie stark Unternehmen voneinander und von gemeinsamen digitalen Plattformen abhängig sind.
Damit verschiebt sich der Blick von der reinen Absicherung einzelner Systeme hin zur Widerstandsfähigkeit gesamter IT-Lieferketten. Für IT-Verantwortliche bedeutet das, externe Abhängigkeiten genauso systematisch zu bewerten wie die eigene Infrastruktur.
Quellen: ENISA Threat Landscape 2026, ENISA: Einordnung zur Bedrohungslage
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