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BMW verknüpft Material- und Transportplanung mit 4flow und senkt so Logistikkosten an acht europäischen Standorten.

BMW setzt in seiner europäischen Inbound-Logistik auf eine engere Verzahnung von Materialbedarf und Transportplanung. Die Software 4flow TORO ist inzwischen an acht europäischen BMW-Standorten im Einsatz und wurde in die bestehende ERP-Landschaft integriert. Laut Anbieter konnten dadurch Sendungen stärker gebündelt und die Transportkosten deutlich reduziert werden – ohne die Materialverfügbarkeit zu beeinträchtigen. Eine konkrete Einsparquote nennt BMW beziehungsweise 4flow für das Projekt allerdings nicht.
Der interessante Punkt für IT- und Logistikverantwortliche liegt weniger im einzelnen Softwareprodukt als im Planungsansatz: Statt Materialabrufe und Transportkapazitäten getrennt zu optimieren, werden beide Prozesse miteinander verbunden.
BMW betreibt ein Produktionsnetzwerk mit mehr als 30 Standorten weltweit und ist mit seinem Vertriebsnetz in mehr als 140 Ländern vertreten. Laut 4flow umfasst das für die Logistik relevante Netzwerk zudem rund 2.000 Lieferanten; täglich würden etwa 30 Millionen Teile bewegt.
In einer solchen Größenordnung können schon kleine Unterschiede bei Lieferfrequenz und Sendungsgröße erhebliche Auswirkungen auf Transportkosten und Auslastung haben.
BMW hat deshalb 4flow TORO in die bestehende ERP-Umgebung integriert. Die Software soll Materialbestellungen nicht allein anhand des Produktionsbedarfs planen, sondern gleichzeitig transportlogistische Restriktionen berücksichtigen. Dadurch können einzelne Abrufe zeitlich angepasst und Sendungen besser zusammengeführt werden.
Nach Angaben von 4flow ist die Lösung mittlerweile an acht BMW-Standorten in Europa produktiv. Das erste Werk war demnach innerhalb von sechs Monaten vollständig angebunden.
Hinter dem Projekt steckt ein typischer Zielkonflikt moderner Produktionslogistik.
Eine sehr eng auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmte Materialversorgung kann Lagerbestände reduzieren. Werden dafür jedoch viele kleine Sendungen benötigt, sinkt möglicherweise die Auslastung der eingesetzten Fahrzeuge. Die Folge können mehr Transporte und höhere Kosten pro geliefertem Teil sein.
4flow TORO setzt deshalb bereits bei der Materialplanung an. Lieferabrufe können so angepasst werden, dass sich einzelne Mengen besser zu größeren Sendungen bündeln lassen. Nach Angaben des Anbieters stieg dadurch bei BMW die durchschnittliche Sendungsgröße signifikant. Gleichzeitig seien die Transportkosten maßgeblich gesunken.
Entscheidend ist dabei die Balance: Die stärkere Konsolidierung soll nicht zulasten der Produktionsversorgung gehen. Laut 4flow blieb die Materialverfügbarkeit erhalten, während lediglich ein geringer zusätzlicher Lagerbedarf entstand.
Wie groß die Kostensenkung bei BMW konkret ausfällt, wurde bislang nicht veröffentlicht. Prozentwerte, die 4flow für andere Referenzprojekte oder das allgemeine Einsparpotenzial seiner Software nennt, sollten deshalb nicht automatisch auf BMW übertragen werden. Auf seiner Produktseite nennt der Anbieter beispielsweise für einen nicht namentlich bezeichneten globalen Automobilhersteller 17 Prozent niedrigere Transportkosten und 35 Prozent größere durchschnittliche Sendungen. Dass es sich dabei um BMW handelt, bestätigt 4flow dort jedoch nicht.
Aus IT-Sicht zeigt das Projekt vor allem, wie stark Supply-Chain-Optimierung von der Integration bestehender Systeme abhängt.
Transportplanung beginnt nicht erst dann, wenn eine Spedition beauftragt wird. Viele spätere Kosten werden bereits durch Entscheidungen in Materialplanung und Disposition verursacht: Wann wird ein Teil bestellt? Welche Menge wird abgerufen? Kann ein Abruf verschoben werden? Und lässt sich die Lieferung mit anderen Sendungen kombinieren?
Dafür benötigt eine Optimierungssoftware Zugriff auf Material-, Bedarfs- und Transportinformationen. 4flow beschreibt TORO deshalb als Ergänzung zu vorhandenen ERP- und Transportmanagement-Systemen. Die Software soll Transportrestriktionen früher in den Planungsprozess einbringen, während bestehende Systeme weiterhin für die operativen Geschäftsprozesse genutzt werden können.
Für Unternehmen kann dieser Ansatz interessanter sein als ein vollständiger Austausch der vorhandenen Logistik-IT. Voraussetzung ist allerdings eine ausreichende Datenqualität und eine belastbare Integration zwischen Planung, ERP und Transportmanagement.
Bei acht europäischen Standorten soll es nicht bleiben. Nach Angaben von 4flow plant BMW bereits die Anbindung weiterer Werke. Zudem soll TORO künftig auch für Full-Truck-Load-Sendungen (FTL) eingesetzt werden.
Damit weitet sich der Optimierungsansatz über die Konsolidierung kleinerer Lieferungen hinaus aus. Ziel ist auch dort, Materialplanung und verfügbare Transportkapazität früher aufeinander abzustimmen.
Der Ausbau passt zu einer breiteren Digitalisierung der BMW-Logistik. In seinen Werken setzt der Konzern bereits auf automatisierte Transportsysteme und cloudbasierte Verkehrssteuerung. Im Werk Regensburg koordiniert beispielsweise ein zentrales System automatisierte Routenzüge und Smart Transport Robots, um Material abhängig von Prioritäten an die Produktion zu liefern.
Der BMW-Fall zeigt, dass der nächste Effizienzgewinn in der Supply Chain nicht zwangsläufig durch ein weiteres isoliertes Planungssystem entsteht. Entscheidend ist zunehmend, Daten und Entscheidungen über bisher getrennte Prozessgrenzen hinweg zusammenzuführen.
Materialplanung, Bestände und Transportkosten verfolgen nicht immer dieselben Ziele. Wer nur einen dieser Bereiche optimiert, kann Kosten an anderer Stelle erzeugen. Integrierte Planung versucht dagegen, diese Zielkonflikte bereits vor dem eigentlichen Transport sichtbar zu machen.
Für Unternehmen bedeutet das auch, dass Schnittstellen und Stammdaten strategisch wichtiger werden. Eine Optimierungssoftware kann nur dann belastbare Entscheidungen treffen, wenn Materialbedarfe, Liefertermine, Verpackungseinheiten und Transportrestriktionen ausreichend zuverlässig verfügbar sind.
BMW zeigt mit dem Rollout von 4flow TORO an acht europäischen Standorten, wie sich klassische Materialplanung stärker mit Transportoptimierung verbinden lässt. Laut Anbieter konnten dadurch größere Sendungen gebildet und die Transportkosten gesenkt werden, ohne die Materialversorgung zu gefährden. Eine konkrete Einsparquote für BMW ist allerdings nicht veröffentlicht.
Für IT-Entscheider ist vor allem der Architekturansatz interessant: Die Optimierung sitzt nicht isoliert neben dem ERP, sondern greift früher in den Planungsprozess ein und berücksichtigt Transportkosten bereits bei Materialentscheidungen.
Damit wird Logistikeffizienz zunehmend zu einer Integrations- und Datenfrage – und nicht nur zu einer Frage günstiger Frachtraten.
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