Anthropic entwickelt eigene KI-Chips für Claude

Anthropic entwickelt eigene KI-Chips für Claude und baut ein internes Silicon-Team für effizientere KI-Infrastruktur auf.

Futuristischer KI-Prozessor auf einer Leiterplatte vor einer Server-Infrastruktur mit leuchtenden Datenverbindungen.

Anthropic steigt tiefer in die Hardwareentwicklung ein. Der Anbieter hinter dem KI-Modell Claude baut ein eigenes Team für Custom Silicon auf und will künftig Chips entwickeln, die gezielt auf seine Modelle zugeschnitten sind. Von seinen bisherigen Infrastrukturpartnern verabschiedet sich das Unternehmen deshalb jedoch nicht.

Anthropic bestätigte den Aufbau des Chipteams gegenüber Business Insider und TechCrunch. Eine aktuelle Stellenausschreibung des Unternehmens geht inzwischen noch weiter: Anthropic schreibt dort ausdrücklich, dass es „Custom Silicon für Claude“ entwickle und die Verantwortung für das Chipdesign selbst übernehmen wolle.

Anthropic übernimmt die Kontrolle über das Chipdesign

Die Stellenausschreibungen zeigen, dass es sich nicht nur um erste Forschungsarbeiten handelt. Gesucht werden unter anderem Fachkräfte, die den gesamten Entwicklungsprozess von der Architekturdefinition über den Tape-out bis zur Inbetriebnahme der ersten Chips und dem späteren Produktionshochlauf begleiten können.

Gleichzeitig soll Anthropic weiterhin mit externen Partnern arbeiten. In der Stellenbeschreibung nennt das Unternehmen unter anderem ASIC-Designpartner, IP-Anbieter, Foundries sowie Packaging- und Testdienstleister. Anthropic will also nicht zwangsläufig sämtliche Schritte der Halbleiterproduktion selbst übernehmen, sondern vor allem die Kontrolle über Architektur und Design gewinnen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie ist das Hardware-Software-Co-Design. Chip-, Compiler-, Kernel- und Inferenzteams sollen gemeinsam an der Plattform arbeiten. Anthropic hatte gegenüber Business Insider erklärt, durch die gemeinsame Entwicklung von Hardware und Modellen Claude schneller und effizienter betreiben zu wollen.

AWS, Google und Nvidia bleiben Teil der Infrastruktur

Die Entwicklung eigener Chips bedeutet allerdings keine kurzfristige Abkehr von bestehenden Beschleunigern. Anthropic verfolgt weiterhin eine Multi-Chip-Strategie. Gegenüber Business Insider erklärte das Unternehmen, Hardware von AWS, Google, Nvidia und AMD werde auch künftig eine zentrale Rolle bei der Skalierung spielen.

Das passt zu den langfristigen Infrastrukturvereinbarungen des Unternehmens. Im April 2026 vereinbarte Anthropic mit Amazon bis zu fünf Gigawatt zusätzliche Rechenkapazität. Über die kommenden zehn Jahre will das Unternehmen mehr als 100 Milliarden US-Dollar für AWS-Technologien einsetzen. Dazu gehören mehrere Generationen von Amazons Trainium-Beschleunigern. AWS bleibt nach Angaben von Anthropic der wichtigste Cloud- und Trainingspartner.

Parallel hat Anthropic seine Zusammenarbeit mit Google und Broadcom ausgebaut. Mehrere Gigawatt zusätzlicher TPU-Kapazität sollen ab 2027 bereitstehen. Nach eigenen Angaben betreibt Anthropic Claude derzeit auf unterschiedlichen Hardwareplattformen, darunter AWS Trainium, Google TPUs und Nvidia-GPUs.

Eigene Chips werden zum strategischen Hebel

Der Schritt zeigt, wie stark sich der Wettbewerb zwischen den großen KI-Anbietern von den Modellen auf die zugrunde liegende Infrastruktur verlagert.

Für Anthropic sind eigene Chips potenziell vor allem bei drei Faktoren interessant: Leistungsfähigkeit, Kosten und Zuverlässigkeit. Genau diese Punkte nennt das Unternehmen selbst in seiner Stellenausschreibung als zentrale Gründe dafür, mehr Kontrolle über die Hardware zu übernehmen.

Ein eigener Beschleuniger könnte Anthropic langfristig außerdem ermöglichen, Hardware stärker auf die spezifischen Anforderungen seiner Modelle und Inferenz-Workloads zuzuschneiden. Wie die Chips technisch aufgebaut sein werden, wann erste Designs fertig sind und wann sie produktiv zum Einsatz kommen, hat das Unternehmen bislang allerdings nicht bekannt gegeben.

Auch ein möglicher Fertigungspartner steht offiziell noch nicht fest. TechCrunch verweist auf einen Bericht von The Information, wonach Anthropic Gespräche mit Samsung als potenziellem Partner geführt haben soll. Eine entsprechende Vereinbarung hat Anthropic bislang nicht öffentlich bestätigt.

Was das für IT-Entscheider bedeutet

Für Unternehmenskunden ändert sich zunächst wenig. Claude wird weiterhin über unterschiedliche Hardware- und Cloudplattformen bereitgestellt, während Anthropic gleichzeitig Milliarden in zusätzliche Kapazitäten bei bestehenden Partnern investiert.

Strategisch ist der Schritt dennoch relevant. Bei großen KI-Plattformen werden Modell, Rechenzentrum und Halbleiter zunehmend als zusammenhängendes System optimiert. Anbieter, die mehr Kontrolle über diese Ebenen besitzen, können theoretisch stärker auf Kosten, Performance und verfügbare Kapazitäten einwirken.

Ob sich daraus tatsächlich niedrigere Preise, schnellere Claude-Modelle oder bessere Service-Level für Unternehmenskunden ergeben, lässt sich derzeit noch nicht seriös ableiten. Anthropic hat dazu keine konkreten Zusagen gemacht.

Für IT-Entscheider ist deshalb vor allem die langfristige Entwicklung interessant: Die Auswahl eines KI-Anbieters hängt künftig womöglich nicht mehr allein von Modellqualität und API-Preisen ab. Auch die dahinterliegende Compute-Strategie, die Verfügbarkeit von Kapazitäten und die Abhängigkeit von einzelnen Hardwareplattformen werden zunehmend zu Faktoren bei der Bewertung großer KI-Plattformen.

Fazit: Anthropic baut mit seinem eigenen Silicon-Team eine weitere Ebene seiner KI-Infrastruktur selbst auf. Die bestehenden Partnerschaften mit AWS, Google und Nvidia bleiben gleichzeitig bestehen. Statt eines Bruchs mit den etablierten Chipanbietern zeichnet sich damit eine diversifizierte Strategie ab, bei der eigenes Silizium künftig ein zusätzlicher Baustein für Claude werden soll.

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