MDR Security: Definition, Kosten & Auswahl | IT-Dock
Was ein MDR Security Service leistet, wie die Preise zustande kommen und woran Sie passende Anbieter erkennen.
Erfahrungen aus der Praxis, typische Fehler und konkrete Tipps: Worauf IT-Entscheider bei der Auswahl, Planung und Auswertung eines Penetrationstests achten sollten.

Ein Pentest soll Schwachstellen aufdecken, bevor Angreifer sie finden. In der Praxis läuft er aber oft anders als geplant: Es fehlen klare Spielregeln, niemand rechnet mit Ausfällen oder der Bericht bleibt liegen. René Eck berät mit ITSB Deutschland Unternehmen zur Informationssicherheit. Im Interview erklärt er, wie IT-Entscheider einen Pentest planen, begleiten und auswerten.
René Eck: Ein Pentest ist ein beauftragter und kontrollierter Angriff auf die eigene IT. Ein Mensch geht mit den Methoden eines Angreifers vor, versucht so weit wie möglich zu kommen und hält fest, wie er das geschafft hat.
Ein Schwachstellenscan läuft automatisch. Er gleicht Versionen und Konfigurationen mit bekannten Schwachstellen ab und liefert eine Liste. Das ist sinnvoll und sollte regelmäßig laufen. Aber der Scanner denkt nicht weiter:
Das kann ein Unternehmen erwarten: eine ehrliche Aussage, wie weit ein Angreifer in einem festgelegten Rahmen und Zeitraum kommt, und konkrete Ansätze zur Behebung.
Das kann ein Pentest nicht: Er beweist nicht, dass man sicher ist. Er ist eine Momentaufnahme mit begrenztem Umfang und begrenzter Zeit. Er sagt auch nichts darüber, ob die Backups funktionieren oder ob das Unternehmen im Ernstfall richtig reagiert. Dafür gibt es andere Werkzeuge.
René Eck: Mir fällt als Erstes etwas ganz Unspektakuläres ein: die IP-Liste.
Ich war auf Kundenseite als externer Informationssicherheitsbeauftragter (ISB) für die Abstimmung mit dem Pentest-Dienstleister zuständig. Die Liste der Zielsysteme kam aus der Firewall-Dokumentation und war schon einige Jahre alt. Nach einem Wechsel des Hosters gehörten zwei Adressen gar nicht mehr dem Kunden. Aufgefallen ist das erst, als die ersten Ergebnisse nicht zum Unternehmen passten. Wir haben den Test angehalten, die Liste bereinigt und dann weitergemacht. Passiert ist nichts. Trotzdem wurden für kurze Zeit Systeme getestet, für die niemand eine Freigabe hatte.
Was man daraus lernen kann: Prüfen Sie vor dem Start, ob jedes Zielsystem wirklich Ihnen gehört und ob Sie es testen lassen dürfen. Das gilt besonders für gehostete Systeme und Cloud-Dienste. Das klingt banal, wird aber oft übersprungen, weil alle schnell anfangen wollen.
René Eck: Immer dann, wenn die Aufgabe nicht zum eigentlichen Risiko passt. Oder wenn der Test nur stattfindet, weil eine Versicherung oder ein Kunde ihn verlangt, und danach niemand etwas mit dem Ergebnis macht.
Ein typisches Beispiel ist ein Produktionsbetrieb, der seine Website gründlich testen lässt, weil sie das ist, was man von außen sieht. Auf der Seite lagen aber nur Imagetexte und ein Kontaktformular. Das eigentliche Risiko war der Fernwartungszugang für die Maschinenhersteller: dauerhaft offen, ein gemeinsames Konto, keine Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA).
Dieser Zugang war nicht im Umfang. Der Bericht war sauber, aber die wichtige Frage blieb unbeantwortet.
Deshalb frage ich vor jedem Test: Was wäre für Ihr Unternehmen der schlimmste realistische Fall, und über welchen Weg käme ein Angreifer dorthin? Daraus ergibt sich der Testumfang, nicht aus der Liste der Systeme.
René Eck: Zuerst den Anlass: eine Kundenanforderung, die Versicherung, NIS2, ein neues System oder ein Vorfall. Davon hängt ab, welcher Test sinnvoll ist.
Danach sollte intern klar sein:
Als Dienstleister brauche ich neben dem Ziel einige grobe Angaben:
Damit kann ich ein Vorgehen vorschlagen, das zum Risiko passt, statt nur einen Preis pro IP zu nennen.
René Eck: Der häufigste Fehler: Der Umfang wird nach Systemen festgelegt, nicht nach Angriffswegen. Dann wird der Webserver geprüft, die API dahinter aber nicht. Oder das Netzwerk wird getestet, aber Microsoft 365 und die Zugänge des IT-Dienstleisters bleiben außen vor.
Ebenfalls häufig:
Was hilft:
Schnittstellen, Cloud-Dienste und Partner bewusst ein- oder ausschließen und schriftlich festhalten, warum. Ein bewusster Ausschluss ist in Ordnung. Ein vergessener ist ein blinder Fleck.
René Eck: Ein guter Anbieter fragt zuerst nach dem Ziel und erst danach nach der Anzahl der IPs. Er rät auch einmal zu einem kleineren Umfang, wenn der genügt.
Im Auswahlgespräch würde ich fragen:
Skeptisch werde ich bei:
Zertifikate der Tester sind ein gutes Zeichen, ersetzen aber nicht den Blick in einen echten Bericht.
René Eck: Ehrlich gesagt: Es kommt auf den Umfang an. Als grobe Orientierung im Mittelstand:
Den Aufwand bestimmen vor allem:
Ob ein günstiges Angebot effizient kalkuliert ist, sehen Sie an den Personentagen. Fragen Sie, wie viele Tage für welchen Teil geplant sind. Eine Webanwendung mit fünf Rollen lässt sich nicht in einem Tag manuell testen. Dann ist es im Kern ein Scan. Ein kleines Angebot ist trotzdem in Ordnung, wenn der Umfang klein und klar abgegrenzt ist.
René Eck: Die eigentliche Testphase dauert je nach Umfang einige Tage bis zwei, drei Wochen. Der Bericht kommt meist ein bis zwei Wochen danach. Mit Angebot, Vertrag und Freigaben sollte man vom ersten Gespräch bis zum fertigen Bericht realistisch vier bis acht Wochen einplanen.
Beim Auftraggeber wird vor allem die Vorbereitung unterschätzt:
Bei der Nachbereitung wird die Behebung unterschätzt. Wer zehn Befunde bekommt, braucht dafür Zeit im Team und manchmal Budget. Das sollte man einplanen, bevor der Test beginnt, nicht erst danach.
René Eck: Ja, das kann passieren. Ein seriöser Test hält das Risiko klein, aber ganz ausschließen lässt es sich nicht. Die Fälle, die ich kenne, waren selten spektakulär, aber ärgerlich:
Fast alles davon wäre mit Vorbereitung vermeidbar gewesen:
René Eck: Alles schriftlich, nichts per Zuruf. Mindestens:
René Eck: Im Normalfall wissen die IT-Leitung und ein kleiner Kreis von Leuten Bescheid, die im Zweifel eingreifen müssen. Das ist für die meisten Unternehmen der richtige Weg.
Ein unangekündigter Test ist sinnvoll, wenn man gezielt prüfen will, ob Angriffe erkannt werden und ob der IT-Dienstleister oder das Security Operations Center (SOC) richtig reagiert. Aber auch dann muss mindestens eine Person eingeweiht sein, die eine Eskalation stoppen kann.
Ohne diese Abstimmung entsteht vor allem Reibung:
Meine Empfehlung im Mittelstand: erst angekündigt testen und die Lücken schließen. Die Erkennung kann man in einem zweiten Schritt prüfen.
René Eck: Bei einer akut kritischen Schwachstelle wartet man nicht auf den Bericht. Sie wird sofort telefonisch an den vereinbarten Kontakt gemeldet und kurz schriftlich bestätigt. Dann entscheiden IT-Leitung und Testteam gemeinsam: sofort schließen, das System vom Netz nehmen oder bewusst weiterlaufen lassen. Wenn das Abschalten das Geschäft trifft, gehört die Geschäftsführung mit an den Tisch.
Bei Hinweisen auf einen echten Angriff, etwa unbekannte Konten, fremde Skripte oder Spuren im System, stoppt der Test an dieser Stelle. Es wird nichts verändert, damit Spuren erhalten bleiben. Dann greift der Notfallprozess:
Wichtig ist, vorher zu klären: Der Pentester ist nicht automatisch der Incident Responder. Wer in diesem Fall welche Rolle übernimmt, sollte vor dem Test feststehen. Solche Funde sind selten, aber sie kommen vor.
René Eck: Ein guter Bericht hat eine Zusammenfassung, die auch die Geschäftsführung versteht: Was wurde getestet, wie ist die Lage in Geschäftssprache, und was ist als Erstes zu tun?
Jeder Befund ist nachvollziehbar beschrieben:
Der Bericht sagt außerdem ehrlich, was nicht getestet wurde, in welchem Zeitraum getestet wurde und was den Test eingeschränkt hat. Wenn er aussieht wie eine Scanner-Liste mit Logo davor, ist das ein Warnsignal.
Wenn kaum Schwachstellen gefunden wurden, kann das gut sein. Dann sollte der Bericht aber zeigen, was alles versucht wurde. Es kann auch heißen, dass der Umfang zu eng war, die Zeit zu knapp oder ein Zugang nicht funktioniert hat.
„Keine Befunde“ heißt nur: In diesem Rahmen wurde nichts gefunden. Es heißt nicht, dass das Unternehmen sicher ist.
René Eck: Der häufigste: Der Bericht landet in der Ablage. Ebenfalls häufig: Nur die kritischen Punkte werden behoben, der Rest bleibt liegen. Oder man behebt das Symptom statt der Ursache. Ein Server wird gepatcht, aber am Patchmanagement ändert sich nichts. Beim nächsten Pentest stehen dann dieselben Befunde wieder im Bericht.
Bei begrenzten Ressourcen priorisiere ich nach drei Fragen:
Einfache Maßnahmen mit großer Wirkung kommen zuerst. Außerdem lohnt es sich, nach Mustern zu schauen. Wenn fünf Befunde auf fehlende MFA zurückgehen, ist das eine Maßnahme, nicht fünf. Jede Maßnahme braucht eine verantwortliche Person und einen Termin.
Ob die Maßnahmen wirken, zeigt ein Nachtest der Befunde. Zwischen zwei Pentests helfen regelmäßige Scans und die Nachverfolgung im Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS).
René Eck:
Fragen Sie sich, was der schlimmste realistische Fall wäre und wie ein Angreifer dorthin käme.
Dazu gehören Freigaben auch von Dienstleistern und Hostern, erreichbare Ansprechpartner und ein klarer Weg für den Abbruch.
Ein Pentest ist nur so viel wert wie die Maßnahmen, die daraus folgen. Planen Sie Kapazität für die Behebung und den Nachtest ein, bevor Sie beauftragen.
René Eck: Zur Vertiefung empfehle ich die Folgen „Was passiert eigentlich bei einem Penetrationstest?“ und „Schwachstellen im Griff“ aus unserem Podcast „Kopf gehackt“. Die Folgen werden in den nächsten beiden Wochen veröffentlicht.
IT-Dock Redaktion: Vielen Dank, René, für das Gespräch und die offenen Einblicke aus deiner Praxis. Deine Erfahrungen zeigen: Ein Pentest lohnt sich dann, wenn Unternehmen Risiko, Spielregeln und die Zeit danach von Anfang an mitdenken.
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