KI-Rechenzentren treiben die Nachfrage nach Speicherchips massiv nach oben. Für IT-Entscheider könnte das ab 2026 nicht nur Smartphones, sondern auch PC- und Notebook-Beschaffung spürbar verteuern.
Die nächste Preiswelle bei Business-Hardware könnte aus einer Komponente kommen, die im Alltag kaum sichtbar ist: Speicher. DRAM- und NAND-Chips, die in Smartphones, Notebooks, PCs und Servern verbaut werden, stehen zunehmend unter Druck. Grund dafür ist vor allem der globale Ausbau von KI-Infrastruktur. Rechenzentren benötigen große Mengen leistungsfähiger Speichertechnologie – und konkurrieren damit direkt mit klassischen Geräteherstellern um verfügbare Kapazitäten.
Marktanalysten sehen darin inzwischen mehr als eine kurzfristige Schwankung. IDC spricht von einer angespannten Marktlage, die bis weit ins Jahr 2027 reichen könnte. Der Grund: Große Speicherhersteller verschieben Kapazitäten in Richtung margenstärkerer Lösungen für AI-Server, darunter High Bandwidth Memory und High-Capacity-DDR5. Dadurch wird Speicher für Consumer- und Business-Geräte knapper und teurer.
Apple steht besonders im Fokus
Besonders aufmerksam beobachtet wird derzeit Apple. Laut einer JPMorgan-Analyse, die von der Financial Times zitiert wurde, könnten Speicherkomponenten bis 2027 einen deutlich größeren Anteil an den iPhone-Komponentenkosten ausmachen als bisher. MacRumors berichtet auf Basis dieser Analyse, dass der Anteil von heute rund zehn Prozent auf bis zu 45 Prozent steigen könnte.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass iPhones im gleichen Umfang teurer werden. Apple hat bislang keine konkreten Preiserhöhungen angekündigt. Auch die endgültige Preisstrategie bleibt offen: Der Konzern könnte höhere Kosten teilweise an Kunden weitergeben, über Produktvarianten steuern oder über Margen auffangen. Genau hier liegt die Unsicherheit.
Dass die Entwicklung Apple bereits beschäftigt, zeigt der jüngste Earnings Call. Tim Cook erklärte dort, dass Apple im Märzquartal höhere Speicherkosten gesehen habe und für das Juniquartal mit deutlich höheren Kosten rechne. Für die Zeit danach erwartet Apple einen zunehmenden Einfluss der Speicherpreise auf das Geschäft und prüft verschiedene Optionen.
Smartphones und PCs geraten unter Kostendruck
Die Entwicklung betrifft nicht nur Apple. TrendForce meldete am 14. Mai 2026, dass die Vertragspreise für Mobile DRAM im zweiten Quartal 2026 weiter stark steigen. Für LPDDR4X erwartet TrendForce einen Anstieg des durchschnittlichen Verkaufspreises um mindestens 70 bis 75 Prozent gegenüber dem Vorquartal, für LPDDR5X sogar um 78 bis 83 Prozent. Smartphone-Hersteller dürften deshalb ihre Produktionspläne und Speicherausstattungen anpassen.
Auch IDC sieht deutliche Auswirkungen auf den Gerätemarkt. Im Smartphone-Segment könnten Hersteller laut IDC gezwungen sein, Preise zu erhöhen, Spezifikationen zu reduzieren oder beides zu kombinieren. Für PCs beschreibt IDC eine ähnliche Lage: Der Engpass trifft auf den Windows-10-End-of-Life-Zyklus und die wachsende Nachfrage nach AI-PCs, die häufig mehr Arbeitsspeicher benötigen.
Was IT-Entscheider jetzt beachten sollten
Für Unternehmen wird die Entwicklung vor allem bei Beschaffungsplanung, Lifecycle-Management und Budgetierung relevant. Wer 2026 oder 2027 größere Rollouts plant, sollte nicht automatisch mit stabilen Gerätepreisen rechnen. Besonders betroffen sein können Notebooks, Smartphones und AI-fähige Clients mit höherer RAM- oder SSD-Ausstattung.
Gleichzeitig ist Vorsicht bei konkreten Preisprognosen geboten. Noch ist nicht klar, wie stark Hersteller die höheren Einkaufskosten tatsächlich an Geschäftskunden weitergeben. Sicher ist aber: Speicher wird vom günstigen Standardbauteil wieder zu einem strategischen Kostenfaktor. Für IT-Organisationen lohnt es sich daher, geplante Geräteerneuerungen frühzeitig zu prüfen, Rahmenverträge abzusichern und Ausstattungsstandards realistisch zu bewerten.
Fazit
Die Speicherkrise ist kein reines Smartphone-Thema. Sie zeigt, wie stark der KI-Boom inzwischen auf klassische IT-Beschaffung durchschlägt. Für Apple, Samsung, PC-Hersteller und ihre Kunden entsteht ein neuer Zielkonflikt: mehr Speicher für moderne Workloads, aber zu deutlich höheren Kosten. Für IT-Entscheider heißt das: Hardwarebudgets sollten für 2026 und 2027 mit mehr Puffer geplant werden.
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