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Vodafone verdichtet sein Kabelnetz mit Node Splits. Was Fiber Deep für Kapazität, Stabilität und Unternehmen bedeutet.

Vodafone verkleinert stark ausgelastete Bereiche seines Kabelnetzes und führt Glasfaser näher an die Anschlüsse. Die Maßnahmen sollen Kapazität und Stabilität erhöhen – ändern aber nichts am Shared-Medium-Prinzip der letzten Koaxialmeter.
Vodafone arbeitet weiter daran, Engpässe in seinem Kabelnetz zu reduzieren. Im Juni 2026 schloss der Netzbetreiber bundesweit 159 Segmentierungen und Fiber-Deep-Maßnahmen in 63 Städten und Gemeinden ab. Nach Unternehmensangaben sollen davon rund 40.000 Haushalte profitieren. Besonders viele Eingriffe gab es in Bad Urach, Hannover und Heidelberg.
Hinter den Maßnahmen steht ein grundsätzliches Problem von Kabelnetzen: Mehrere Anschlüsse innerhalb eines Segments teilen sich die verfügbare Kapazität. Steigt die Nutzung stark an, kann die tatsächlich verfügbare Datenrate insbesondere zu Spitzenzeiten sinken. Durch kleinere Netzsegmente verteilt Vodafone die Kapazität auf weniger Anschlüsse.
Bei einer Segmentierung wird ein bestehender Versorgungsbereich aufgeteilt. Nach Recherchen von Golem kann dies zunächst innerhalb der vorhandenen Netztechnik erfolgen: Anschlüsse werden auf unterschiedliche Schnittstellen verteilt, ohne dass unmittelbar neue Tiefbauarbeiten notwendig sind.
Reicht diese elektronische Aufteilung nicht aus, kann Vodafone einen zusätzlichen Fiber Node installieren. Dabei wird Glasfaser weiter in das Versorgungsgebiet geführt und ein Teil des vorhandenen Koaxialnetzes auf den neuen Knoten umgelegt. Der einzelne Netzbereich wird dadurch geografisch kleiner.
Fiber-Deep-Projekte verfolgen ein ähnliches Ziel. Die Glasfaser rückt näher an die Gebäude, während der gemeinsam genutzte Koaxialabschnitt kürzer wird. Das kann die Zahl der Anschlüsse reduzieren, die sich innerhalb eines Segments dieselben Ressourcen teilen.
Die von Vodafone genannten 159 Maßnahmen waren allerdings nicht ausschließlich neue Fiber Nodes. Das Unternehmen fasst klassische Segmentierungen und Fiber-Deep-Ausbau in einer gemeinsamen Zahl zusammen. Wie viele physische Knoten tatsächlich neu errichtet wurden, ist nicht öffentlich ausgewiesen.
Die Maßnahmen zeigen, dass Vodafone sein bestehendes Hybrid-Fiber-Coax-Netz weiter optimiert. Auf den letzten Metern zu vielen Anschlüssen bleibt das Koaxialkabel bestehen; als Übertragungsstandard kommt weiterhin DOCSIS 3.1 zum Einsatz.
Nach eigenen Angaben hat Vodafone sein Kabelnetz innerhalb der vergangenen zwölf Monate mit 2.438 Modernisierungsmaßnahmen verstärkt. Darunter waren 2.168 Segmentierungen und 270 Fiber-Deep-Ausbauten. Die Zahlen stammen aus einer Unternehmensanalyse und wurden nicht unabhängig aufgeschlüsselt oder überprüft.
Parallel erweitert Vodafone die Vermarktung von Glasfaseranschlüssen. Ende Juni konnten dem Unternehmen zufolge 31 Millionen Haushalte Gigabit-Angebote über Kabel oder Glasfaser buchen. Die vermarktbare FTTH-Reichweite bezifferte Vodafone auf 14,8 Millionen Haushalte. Darin sind neben eigenen Netzen auch Infrastruktur des Gemeinschaftsunternehmens OXG und weiterer Partner enthalten.
Diese Reichweitenzahlen dürfen nicht mit aktiven Anschlüssen gleichgesetzt werden. Sie beschreiben vor allem, für wie viele Haushalte ein Angebot buchbar ist oder perspektivisch vermarktet wird. Auch „Homes Passed“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Gebäude bereits vollständig angeschlossen und der Anschluss aktiviert ist. Die Bundesnetzagentur unterscheidet deshalb zwischen erreichbaren, angeschlossenen und tatsächlich aktivierten Glasfaseranschlüssen.
Für kleinere Unternehmensstandorte, Filialen und Beschäftigte im Homeoffice können kleinere Kabelsegmente die Situation zu stark ausgelasteten Tageszeiten verbessern. Anwendungen wie Videokonferenzen, Cloud-Zugriffe oder große Dateiübertragungen profitieren davon, wenn weniger Anschlüsse gleichzeitig um dieselbe Kapazität konkurrieren.
Ein segmentierter Kabelanschluss wird dadurch jedoch nicht automatisch zu einer dedizierten Unternehmensanbindung. Das Shared-Medium-Prinzip bleibt bestehen. Auch garantierte Bandbreiten, symmetrische Datenraten, vertraglich definierte Wiederherstellungszeiten oder eine physisch unabhängige Backup-Verbindung ergeben sich nicht allein aus einem Node Split.
IT-Verantwortliche sollten deshalb nicht nur auf die beworbene maximale Downloadrate achten. Für geschäftskritische Standorte sind auch Uploadleistung, Latenz, Verfügbarkeit, Service Level Agreements und die tatsächliche Redundanz der Leitungswege entscheidend.
Vodafone verschafft seinem Kabelnetz mit Segmentierungen und Fiber Deep zusätzliche Kapazitätsreserven. Die Maßnahmen können lokale Engpässe reduzieren und die Nutzungsdauer der vorhandenen Infrastruktur verlängern.
Sie ersetzen jedoch keinen flächendeckenden FTTH-Ausbau. Für Unternehmen bleibt entscheidend, welche Leistung am konkreten Standort tatsächlich verfügbar und vertraglich abgesichert ist – unabhängig davon, ob der Anbieter den Anschluss als Gigabit-Produkt vermarktet.
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