OneWeb: Die Satelliten-Internet-Alternative für Unternehmen, Behörden & kritische Infrastrukturen

OneWeb ► LEO-Satelliten-Internet von Eutelsat OneWeb ✓ Preise ✓ Terminals ✓ Abdeckung ✓ Starlink-Vergleich. Der B2B-Ratgeber für Unternehmen & Behörden.

10 Min. Lesezeit

Stell dir vor, dein Tankschiff liegt 400 Seemeilen vor der norwegischen Küste, dein Bohrlochsensor sitzt mitten in der kasachischen Steppe oder dein Krisenstab muss morgen früh in einem überschwemmten Landkreis funkstabil arbeiten — und das nächste Glasfaserkabel ist 80 Kilometer entfernt. Genau für diese Realitäten gibt es OneWeb: ein Satellitennetzwerk in niedriger Erdumlaufbahn, das B2B-Konnektivität dort liefert, wo Festnetz, LTE und 5G aufhören. Dieser Ratgeber erklärt, was OneWeb ist, wem es gehört, wie die Technik funktioniert, was es kostet — und wie ein deutsches Unternehmen heute realistisch an einen Vertrag und das passende Terminal kommt.

Was ist OneWeb?

OneWeb in 30 Sekunden — die Kurzdefinition

OneWeb ist ein globales Satellitennetzwerk in der niedrigen Erdumlaufbahn (LEO), das Breitband-Internet primär für Unternehmen, Behörden und mobile Einsatzkräfte bereitstellt. Die Satellitenflotte umfasst aktuell 648 aktive Internetsatelliten in rund 1.200 km Höhe. Seit dem Zusammenschluss mit dem französischen Satellitenbetreiber Eutelsat im Jahr 2023 firmiert die Konstellation offiziell als Eutelsat OneWeb — kombiniert also LEO-Satelliten (OneWeb) mit klassischen GEO-Satelliten (Eutelsat) unter einem Dach.

Vom Insolvenz-Kandidaten zur Eutelsat-Konstellation

OneWeb wurde 2012 als britisches Start-up gegründet, meldete 2020 Insolvenz an, wurde von der britischen Regierung und dem indischen Bharti-Konzern gerettet — und ist seit 2023 Teil der Eutelsat-Gruppe. Diese Fusion war ein strategischer Schachzug: Europa hatte plötzlich einen eigenen, vertikal integrierten Satellitenbetreiber mit GEO- und LEO-Kapazitäten — eine wichtige Antwort auf SpaceX/Starlink und Amazon/Kuiper.

OneWeb vs. klassisches GEO-Satelliteninternet

Klassische GEO-Satelliten parken in 36.000 km Höhe — das bringt riesige Abdeckung, aber auch hohe Latenz (~600 ms Round-Trip). OneWeb fliegt in 1.200 km LEO. Ergebnis: Latenzen um die 70 Millisekunden, was für VoIP, Videokonferenzen, Cloud-Anwendungen und Echtzeit-Steuerung im Industrieumfeld erstmals praxistauglich ist.

Wem gehört OneWeb? Eutelsat OneWeb, Airbus & Co.

Eutelsat OneWeb — der Zusammenschluss 2023

Eigentümer ist heute die Eutelsat Group mit Sitz in Paris. Eutelsat hält die Mehrheit, weitere relevante Anteilseigner sind die britische Regierung (über das UK Government Strategic Stake), Bharti Enterprises aus Indien, SoftBank sowie Hanwha Systems aus Südkorea. Diese Eigentümerstruktur macht Eutelsat OneWeb politisch hochinteressant — insbesondere für europäische Regierungs- und Verteidigungskunden, die ein souveränes, nicht-amerikanisches Satellitensystem schätzen.

Airbus OneWeb Satellites — wer die Satelliten baut

Die Satellitenproduktion läuft über das Joint Venture Airbus OneWeb Satellites mit Werken in Toulouse (Frankreich) und Florida (USA). Airbus baut die Satelliten in Serie — ein Novum in der Raumfahrt, das die Stückkosten massiv senkt. Im Februar 2025 erhielt Airbus zusätzlich einen Großauftrag über mehrere Hundert Satelliten der nächsten Generation, was die Konstellation in den kommenden Jahren noch deutlich erweitern wird.

Bharti, britische Regierung & weitere Anteilseigner

Bharti ist nach der Eutelsat-Fusion größter Minderheitseigner und sichert OneWeb den Marktzugang nach Indien und Südasien. Die britische Regierung behält ihre „Special Share“ zur strategischen Kontrolle — ein Sicherheitsmechanismus, falls die Konstellation für hoheitliche Zwecke benötigt wird.

Wer betreibt die OneWeb-Satelliten und wie ist die Konstellation aufgebaut?

648 Satelliten in 1.200 km LEO-Höhe

Die OneWeb-Satellitenkonstellation umfasst 648 aktive Satelliten, verteilt auf 12 polare Orbitalebenen mit jeweils 49 Satelliten plus Ersatzeinheiten. Durch die polare Umlaufbahn deckt OneWeb auch hohe Breitengrade ab — also Skandinavien, Alaska, Grönland und die arktischen Schifffahrtsrouten, die für viele Industriekunden kritisch sind.

50–70 Bodenstationen weltweit

Das Satellitensystem stützt sich auf 50 bis 70 Bodenstationen (Gateways), die strategisch über alle Kontinente verteilt sind. Jede Bodenstation verbindet die Satelliten mit dem terrestrischen Internet-Backbone. In Europa stehen unter anderem Gateways in Großbritannien, Norwegen, Italien und Portugal.

Wie viele Satelliten plant Eutelsat OneWeb künftig?

Mit dem 2025-Auftrag an Airbus wächst die Satellitenflotte in den nächsten Jahren auf rund 1.500 Einheiten. Diese zweite Generation soll höhere Bandbreiten, niedrigere Latenz und mehr Versorgungsdichte liefern — ein direkter Schritt, um im Wettbewerb mit Starlink (über 7.000 Satelliten geplant) und Amazons Kuiper-Programm bestehen zu können.

Welche Satellitentechnik setzt OneWeb ein?

Ku-Band für User, Ka-Band fürs Gateway

OneWeb funkt seine User-Terminals im Ku-Band an, während die Verbindung zwischen Satellit und Bodenstation im Ka-Band läuft. Diese saubere Frequenztrennung erhöht die Kapazität pro Spotbeam erheblich und reduziert Störrisiken.

16 Spotbeams pro Satellit — was das für die Versorgungsdichte bedeutet

Jeder Satellit strahlt 16 hochgerichtete Spotbeams nach unten. Damit lässt sich die Bandbreite gezielt dort konzentrieren, wo Nachfrage entsteht — etwa über einer Ölplattform statt über offener See. Die Versorgungsdichte pro Quadratkilometer ist dadurch deutlich höher als bei klassischer GEO-Breitbandtechnik.

Latenz, Geschwindigkeiten & Bandbreite

Im aktuellen Betrieb liefert OneWeb pro User-Terminal typischerweise 150–195 Mbit/s im Downlink und 30–40 Mbit/s im Uplink bei einer Latenz um 70 Millisekunden. Für die zweite Satellitengeneration sind Bandbreiten von bis zu 1 Gbit/s pro Terminal angekündigt.

Wie funktioniert die Konnektivität zu OneWeb?

Vom User-Terminal zur Bodenstation — das Routing in 3 Schritten

Schritt 1: Das User-Terminal am Standort funkt im Ku-Band einen OneWeb-Satelliten an, der gerade darüber zieht. Schritt 2: Der Satellit leitet die Datenübertragung im Ka-Band an die nächste verfügbare Bodenstation weiter. Schritt 3: Die Bodenstation übergibt den Traffic ans terrestrische Internet. Das Ganze passiert in einer Latenz, die VoIP, Videocalls und Cloud-Apps stabil hält.

Welche Hardware wird für OneWeb benötigt?

Für den Betrieb braucht es ein OneWeb-User-Terminal (auch „User Terminal“ oder „ESA Single Panel“), das je nach Anwendung als feste Antenne, mobile Roof-Mount oder Flat-Panel-Lösung verfügbar ist. Dazu kommt ein OneWeb-Modem als Router-Bridge ins lokale Firmennetz. Klassische „Sat-Schüsseln“ sind nicht im Spiel — moderne OneWeb-Antennen sind elektronisch gesteuerte Flach-Antennen, die die durchziehenden Satelliten automatisch tracken.

Vertriebspartner & Service-Provider in Deutschland

OneWeb-Verträge laufen in Deutschland nicht direkt über Eutelsat, sondern über autorisierte Distributoren und Service-Provider. Einer der etabliertesten Partner für den deutschen Markt ist Novostream — als offizieller Eutelsat-OneWeb-Vertriebspartner inklusive Terminal-Hardware und Antennen-Installation.

Wofür ist OneWeb geeignet? Typische Einsatzbereiche

Maritime & Luftfahrt

Frachtschiffe, Kreuzfahrten, Offshore-Yachten und Business-Jets erhalten weltweit Breitband mit konstanter Latenz — inklusive Polarrouten.

Bergbau, Öl- & Gasindustrie

Förderanlagen, Pipelines und Explorations-Camps brauchen sichere, verschlüsselte Datenübertragung. OneWeb liefert die Konnektivitätslösung für SCADA, Predictive Maintenance und Mitarbeiter-Crew-Welfare.

Behörden, Regierung & Verteidigung

Souveräne Backup-Verbindungen, sichere SatCom-Lösungen für Verteidigungsbehörden, BOS und KRITIS-Anwendungen — gerade hier zahlt sich die europäisch-britische Eigentümerstruktur aus.

Notfall- und Katastrophenkommunikation

OneWeb für Notfallkommunikation heißt: bei Hochwasser, Sturm oder Stromausfall in Minuten ein resilientes Satellitennetz aufbauen. THW, Feuerwehr und Hilfsorganisationen setzen LEO-Terminals zunehmend als Standardausrüstung ein.

Mobilfunk-Backhaul für entlegene Funkmasten

Telekommunikationsanbieter nutzen OneWeb, um abgelegene 4G/5G-Funkmasten ohne Glasfaseranbindung zu speisen — insbesondere in ländlichen Behörden-Regionen und Schwellenländern.

Was kostet OneWeb? Preise, Tarife und Hardware-Investition

Monatliche Service-Pläne

Die monatlichen Tarife liegen — abhängig von Bandbreite und Daten-Commitment — typischerweise zwischen 800 EUR und 3.500 EUR pro Standort und Monat. Distributoren wie Hughes (Managed LEO) oder Marlink bieten gestaffelte Pakete mit garantierten Mindestbandbreiten und unlimitierten Daten-Plänen.

Hardware-Kosten: User-Terminal & ESA Single Panel

Ein OneWeb-User-Terminal kostet einmalig zwischen 8.000 EUR und 15.000 EUR, je nach Bauform (fest installiert, maritim, mobil). Mietmodelle und Service-Bundles sind über die meisten Distributoren ebenfalls verfügbar.

Vertragslaufzeiten und Gesamtkostenrechnung (TCO)

Standardvertragslaufzeiten sind 12, 24 oder 36 Monate. Eine realistische TCO-Rechnung über drei Jahre bei mittlerem Tarif (1.500 EUR/Monat) plus Hardware liegt bei rund 65.000–75.000 EUR pro Standort.

Eutelsat OneWeb für Privatkunden — geht das?

Kurze Antwort: Nein. Eutelsat OneWeb ist klar B2B-/B2G-positioniert. Für reine Privatkunden ist Starlink derzeit die einzige realistische LEO-Option in Deutschland.

OneWeb vs. Starlink (und Kuiper): Der B2B-Vergleich

Kriterium Eutelsat OneWeb Starlink (SpaceX) Kuiper (Amazon)
Konstellationsgröße ~648 Satelliten (Ziel ~1.500) >7.000 Satelliten ~3.200 geplant
Orbithöhe 1.200 km LEO 550 km LEO 590–630 km LEO
Latenz ~70 ms ~25–40 ms ~30–50 ms (Schätzung)
Downlink-Bandbreite 150–195 Mbit/s 100–300 Mbit/s bis 1 Gbit/s (Roadmap)
Frequenzband Ku/Ka Ku/Ka Ka
Zielgruppe B2B, Behörden, Verteidigung B2C + B2B B2C + B2B (Start 2026/27)
Preis-Range (Monat) 800–3.500 EUR 50–500 EUR n. v.
Verfügbarkeit DE über Distributoren direkt + Reseller nicht verfügbar
Eigentümer Eutelsat (FR/UK/IN) SpaceX (USA) Amazon (USA)

Welche Lösung für welchen Anwendungsfall? Starlink ist die unkomplizierte Wahl für Privatkunden und kleinere Standorte. OneWeb ist die Wahl, wenn europäische Souveränität, garantierte SLAs, Behörden-Tauglichkeit oder integrierte GEO+LEO-Lösungen gefragt sind — also dort, wo IT-Compliance und Vertragsstabilität wichtiger sind als der niedrigste Preis. Eine ausführlichere Diskussion findest du in unserem Ratgeber zur Starlink-Alternative. Kuiper ist derzeit (Stand Mai 2026) noch im Aufbau und für deutsche B2B-Kunden noch keine reale Option.

OneWeb in Deutschland: Verfügbarkeit, Anbieter & nächste Schritte

Wo ist OneWeb in Deutschland verfügbar?

OneWeb ist seit Mitte 2024 in ganz Deutschland kommerziell verfügbar — flächendeckend, da die polare Konstellation auch Mitteleuropa zuverlässig abdeckt. Die Versorgung ist nicht standortabhängig (anders als bei Glasfaser oder LTE).

Wie kommt man an einen OneWeb-Vertrag?

Direktvertrieb durch Eutelsat OneWeb gibt es für deutsche B2B-Kunden nur eingeschränkt. Der Standardweg läuft über autorisierte Distributoren, die Hardware, SIM-/Service-Aktivierung und 1st-Level-Support bündeln.

Anbieter & Vertriebspartner für OneWeb (inkl. Terminals)

Für den deutschen Markt empfiehlt sich ein Blick auf Novostream — der Anbieter führt OneWeb-Terminals direkt im Sortiment, hat Erfahrung mit BOS-/KRITIS-Projekten und übernimmt auf Wunsch auch die Installation. Weitere Distributoren mit Deutschland-Präsenz sind Hughes, Marlink (maritime Fokussierung) und Speedcast (Industrie/Offshore).

Häufig gestellte Fragen zu OneWeb (FAQ)

Fazit: Für wen lohnt sich OneWeb?

OneWeb ist nicht das billigste, aber das souveränste LEO-Satelliteninternet auf dem deutschen Markt. Wenn dein Standort terrestrisch nicht oder nur unzureichend angebunden ist, du SLAs brauchst, in regulierten Sektoren arbeitest oder im BOS- und KRITIS-Umfeld unterwegs bist, ist Eutelsat OneWeb eine ernstzunehmende Konnektivitätslösung — gerade weil die Eigentümerstruktur europäisch-britisch ist und Eutelsat zusätzlich klassische GEO-Kapazität für hybride Setups mitbringt. Für Privatanwender und Home-Offices bleibt Starlink die schnellere Antwort.

Wer konkret den nächsten Schritt gehen will: Über das Anbieterprofil von Novostream lassen sich OneWeb-Terminals, passende Service-Pläne und Installation aus einer Hand anfragen — der direkteste Weg vom Ratgeber-Lesen zum betriebsfertigen Anschluss.

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