Rechtssicherheit – powered by Taschenrechner.
Das neueste Meisterwerk von zvoove: Nach einem Update ist die Pfändungsberechnung aufgrund einer fehlerhaften Pfändungstabelle falsch. Aber keine Sorge – statt eines schnellen Hotfixes gibt es eine innovative Lösung: Einfach alles manuell berechnen.
Offenbar ist das inzwischen Teil des Produktkonzepts. Man kauft eine Lohnsoftware, um anschließend jede gesetzliche Berechnung selbst zu kontrollieren. So bleibt man wenigstens fit im Pfändungsrecht.
Besonders bemerkenswert ist die Werbung. Vor einigen Jahren wurde nach meiner Erinnerung noch mit „fehlerfrei und rechtssicher“ geworben. Das „fehlerfrei“ ist inzwischen offenbar verschwunden – übrig geblieben ist „rechtssicher“. Wahrscheinlich, weil sich dieser Begriff besser mit dem Rat vereinbaren lässt, die Ergebnisse der Software vorsichtshalber selbst nachzurechnen.
Leider ist das kein Ausrutscher, sondern ein Muster: Fehlerhafte Updates, Workarounds statt Lösungen und die Lohnabteilung übernimmt die Qualitätssicherung. Die Verantwortung für korrekte Abrechnungen bleibt selbstverständlich beim Anwender – obwohl die Fehler in der Software entstehen.
Mein Fazit: Wer eine Software sucht, die gesetzliche Berechnungen zuverlässig erledigt, sollte nicht gleichzeitig damit rechnen müssen, der unbezahlte Beta-Tester zu sein. Wenn „rechtssicher“ bedeutet, dass der Kunde sämtliche Ergebnisse kontrollieren und notfalls selbst berechnen muss, dann hat dieser Begriff eine erstaunlich kreative Auslegung erfahren.