Ab diesem Stichtag gibt es keine reguläre Wartung mehr.
Bleiben, in die Cloud migrieren oder die Plattform ganz ablösen? Informatica on-premise steht 2026 vor einer strategischen Grundsatzentscheidung.
Wer Informatica on-premise betreibt – in den allermeisten Fällen über PowerCenter im eigenen Rechenzentrum –, steht 2026 vor einer strategischen Grundsatzentscheidung. Der Hersteller hat seine Zukunft klar in der Cloud verortet, der Support für die letzte PowerCenter-Version läuft aus, und seit der Übernahme durch Salesforce ist die Richtung endgültig gesetzt. Für DACH-Unternehmen, die aus regulatorischen Gründen oder aus Gründen der Datensouveränität an einer lokalen Datenintegration im eigenen Rechenzentrum festhalten wollen oder müssen, stellt sich damit eine unbequeme Frage: bleiben, in die Cloud migrieren oder die Plattform ganz ablösen?
Dieser Beitrag ordnet die Lage neutral ein. Er erklärt, was sich bei Informatica gerade ändert, warum „Cloud-Zwang“ im DACH-Markt ein realer Compliance-Konflikt ist, und liefert mit einer Risiko-Matrix und einem Entscheidungsbaum das Gerüst, das Architektur-, Compliance- und Procurement-Verantwortliche für die interne Argumentation brauchen.
Informaticas Roadmap ist seit Jahren eindeutig: weg von der klassischen On-Premise-Plattform, hin zur Intelligent Data Management Cloud (IDMC). PowerCenter wird nicht mehr funktional weiterentwickelt; sämtliche Innovation – von der Datenqualität über das Datenmanagement bis zur KI-gestützten Automatisierung (CLAIRE) – fließt in die cloudbasierte Plattform. Die offizielle Botschaft an Bestandskunden lautet seit dem PowerCenter-Modernisierungsprogramm konsequent: Migration in die Cloud.
Mit der Übernahme durch Salesforce, die im November 2025 abgeschlossen wurde, hat sich dieser Kurs noch verfestigt. Informatica ist heute Teil der Salesforce-Datenstrategie rund um agentische KI und Data Cloud. Für On-Premise-Anwender bedeutet das vor allem eines: Die strategische Aufmerksamkeit des Herstellers liegt nicht beim lokalen Deployment.
In der Diskussion werden „informatica end of life“ und „end of innovation“ oft vermischt. Der Unterschied ist für die Risikobewertung entscheidend. End of Innovation ist längst Realität: PowerCenter erhält keine neuen Funktionen mehr. End of Life im engeren Sinn meint das Auslaufen des Supports – und das ist datiert.
Die Eckdaten für die finale Version (10.5x):
Wer also auf Powercenter Support Ende wartet, sollte wissen: Der Software-Betrieb endet nicht schlagartig. Was endet, ist die Verlagerung des Risikos vom Hersteller zum Anwender – allen voran bei Sicherheits-Updates. Eine ungepatchte ETL-Plattform mit Zugriff auf zentrale Datenbestände ist in einem regulierten Umfeld kein tragfähiger Dauerzustand.
IICS (Informatica Intelligent Cloud Services) ist die SaaS-/iPaaS-Schicht innerhalb der IDMC-Plattform. Funktional deckt sie die klassischen ETL-Aufgaben ab, ergänzt um Cloud-native Services, Datenqualität und KI-Funktionen. Der zentrale Unterschied zu PowerCenter ist nicht primär technischer Natur, sondern liegt im Betriebs- und Preismodell: weg von der dauerhaften Lizenz, hin zum verbrauchsbasierten Subscription-Modell. Genau dieser Wechsel ist für viele Bestandskunden der eigentliche Knackpunkt – betriebswirtschaftlich wie regulatorisch.
Der vom Hersteller Informatica forcierte Cloud Zwang kollidiert im DACH-Markt mit harten Rahmenbedingungen. Hier ist die Cloud-First-Erwartung für eine relevante Zahl von Unternehmen schlicht keine Option.
Datenintegrationsplattformen verarbeiten regelmäßig personenbezogene und besonders schützenswerte Daten. Verlagert ein Unternehmen diese Verarbeitung in eine SaaS-Plattform, entstehen Fragen zu Auftragsverarbeitung, Subprozessoren und Datenresidenz. Für viele Verantwortliche ist die On-Premise-Verarbeitung im eigenen Rechenzentrum nicht nostalgisch, sondern die einfachste Form nachweisbarer Datensouveränität.
Für den Finanzsektor hat sich die Regulatorik 2025 grundlegend verschoben. Der Digital Operational Resilience Act (DORA) gilt seit dem 17. Januar 2025 als unmittelbar anwendbare EU-Verordnung; die früheren bankaufsichtlichen IT-Anforderungen (BAIT) wurden zur Vermeidung einer Doppelregulierung aufgehoben. DORA verschärft das Management von IKT-Drittparteienrisiken massiv: vollständiges Informationsregister aller IKT-Dienstleister, definierte Vertragsklauseln, Audit-Rechte, Exit-Strategien. Die großen Hyperscaler (AWS, Microsoft Azure, Google Cloud) sind inzwischen als kritische Drittdienstleister (CTPP) unter direkter EU-Aufsicht – ein klares Signal, dass Cloud-Konzentration im Finanzsektor regulatorisch beobachtet wird. Wer eine SaaS-Datenintegration einführt, übernimmt einen zusätzlichen, dokumentations- und prüfpflichtigen Drittparteienstrang.
Der zweite Druckpunkt betrifft weit mehr als nur Banken. Das deutsche NIS2-Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG) ist seit dem 6. Dezember 2025 in Kraft – ohne Übergangsfrist. Rund 29.500 Unternehmen aus 18 Sektoren müssen Risikomanagement, Meldepflichten und BSI-Registrierung umsetzen, die Geschäftsleitung haftet persönlich, Bußgelder reichen bis zu 10 Mio. Euro. Für die Wahl der Datenintegrations-Plattform heißt das: Lieferketten- und Drittparteienrisiken müssen aktiv gesteuert werden. Eine auslaufende, ungepatchte PowerCenter-Installation ist unter NIS2 ebenso angreifbar wie ein unzureichend bewerteter Cloud-Provider – beide Optionen erfordern eine belastbare Risikoanalyse.
Hinzu kommen BSI IT-Grundschutz und der C5-Kriterienkatalog als faktische Mindeststandards für Cloud-Sicherheit im öffentlichen und kritischen Sektor. Und auch wenn der EU-US-Datentransfer mit dem Data Privacy Framework formal neu geregelt ist: Der Schrems-II-Schatten – die Unsicherheit über die Beständigkeit transatlantischer Angemessenheitsbeschlüsse – bleibt ein Argument für Architekturen, die personenbezogene Daten gar nicht erst exportieren.
Die folgende Matrix verdichtet die Entscheidung auf sechs Risiko-Dimensionen und die drei Optionen. Sie ist als zentrales visuelles Asset des Beitrags gedacht.
| Risiko-Dimension | Bleiben auf PowerCenter | Migration zu IICS | Ablösen auf On-Prem-Alternative |
|---|---|---|---|
| Support-Risiko | Hoch – Standard-Support endet 03/2026, danach nur noch Extended/Sustaining | Niedrig – aktiv weiterentwickelte Plattform | Niedrig–mittel – abhängig vom gewählten Anbieter |
| Compliance-Risiko | Mittel–hoch – ungepatchte Systeme kollidieren mit NIS2/DORA | Hoch – SaaS verlagert Daten, neue Drittparteien-Prüfpflichten | Niedrig – Verarbeitung bleibt im eigenen Rechenzentrum |
| TCO-Risiko | Mittel – Extended-Support-Aufpreis, „Sustaining-Cost“-Spirale | Hoch – Wechsel auf verbrauchsbasiertes Preismodell, schwer planbar | Mittel – einmaliger Migrationsaufwand, danach kalkulierbar |
| Lock-in-Risiko | Mittel – Bindung an auslaufende Technologie | Hoch – tiefe Bindung an Hersteller-Ökosystem (jetzt Salesforce) | Niedrig–mittel – je nach Offenheit der Alternative |
| Innovations-Risiko | Hoch – End of Innovation bereits erreicht | Niedrig – KI-/Cloud-Funktionen | Mittel – je nach Roadmap des Anbieters |
| Migrations-Risiko | Keines (kurzfristig) | Mittel–hoch – Mappings/Workflows neu, Stolpersteine | Mittel–hoch – vergleichbarer Re-Engineering-Aufwand |
Die kritischsten Felder sind das Compliance-Risiko bei IICS (Datenexport) und das Support-Risiko beim Bleiben. Beide Extreme verlagern Risiko – nur in unterschiedliche Richtungen. Die On-Prem-Alternative ist der Versuch, beide Risiken gleichzeitig zu begrenzen, um den Preis eines einmaligen Migrationsaufwands.
Die strategische Wahl lässt sich auf vier Fragen reduzieren (als Schaubild / Download-Lead-Magnet umsetzen):
Wenn DSGVO-Datenresidenz, DORA-Drittparteienauflagen oder sektorale Vorgaben eine lokale Verarbeitung erzwingen, ist die Cloud-Option faktisch vom Tisch – und IICS scheidet aus.
Tausende Mappings, Workflows und Repositorys verschieben das Kalkül: Je größer die Codebase, desto höher der Migrationsaufwand – unabhängig vom Ziel.
Ist Integration Kerninfrastruktur, lohnt die Investition in eine kontrollierte Plattform. Ist sie reine Versorgungstechnik, kann ein verwaltetes SaaS-Modell attraktiver sein.
Ein starkes Engineering-Team kann eine On-Prem-Alternative betreiben. Ein Team aus SaaS-Konsumenten profitiert eher von einem verwalteten Dienst – sofern die Compliance es zulässt.
Daraus ergeben sich drei typische Profile:
On-Prem-Alternative ablösen. Cloud-Datenexport erzeugt mehr regulatorische Last, als er Betriebsvorteile bringt.
IICS prüfen. Wenn keine harten Residenz-Anforderungen bestehen und eine Cloud-Roadmap existiert, ist der Hersteller-Pfad legitim.
kontrollierter Ausstieg auf eine On-Prem-Alternative innerhalb von 12–24 Monaten, bevor der Support-Druck zur Zwangslage wird.
Eine seriöse TCO-Betrachtung arbeitet mit Größenordnungs-Bandbreiten, nicht mit Scheinpräzision:
PowerCenter → IICS (Hersteller-Pfad): Informatica bietet Werkzeuge und ein Modernisierungsprogramm zur Konvertierung. Typische Stolpersteine sind PushDown-Logik, hochspezialisierte Transformationen sowie Mappings, die über die Jahre faktisch zu Geschäftslogik geworden sind – sie sind selten ein reines ETL-Problem und entsprechend aufwendig.
PowerCenter → On-Prem-Alternative: Der Aufwand ist vergleichbar, das Ziel aber eine Plattform unter eigener Kontrolle. Eine detaillierte Gegenüberstellung der Optionen liefert der Vergleich der PowerCenter-Alternativen .
Hybridszenarien: In der Übergangsphase laufen beide Welten parallel – etwa unkritische Workloads in der Cloud, regulierte Datenströme weiter on-premise. Das reduziert das Big-Bang-Risiko, erhöht aber temporär die Betriebskomplexität.
Es gibt keine pauschal richtige Antwort – es gibt die zum Profil passende Antwort. Stark regulierte Organisationen sollten den kontrollierten Ausstieg auf eine On-Premise-Alternative ernsthaft prüfen, etwa Plattformen wie IRI Voracity (über JET-Software im DACH-Markt verfügbar), die Datenintegration, Datenqualität sowie Datenmaskierung und Testdatengenerierung im eigenen Rechenzentrum abdecken. Cloud-affine Mittelständler ohne harte Residenz-Auflagen können den IICS-Pfad gehen. Wer wartet, sollte das bewusst und befristet tun – nicht aus Trägheit.
Konkrete nächste Schritte: Codebase inventarisieren, Compliance-Bindung (DSGVO, DORA, NIS2) klären, eine ehrliche TCO-Bandbreite je Option rechnen und einen Zeithorizont vor dem Support-Ende setzen.
Der Standard-Support für PowerCenter 10.5x endet am 31. März 2026. Kostenpflichtiger Extended Support läuft bis 31. März 2027, Sustaining Support (ohne Patches) bis 2029.
PowerCenter ist die klassische On-Premise-ETL-Plattform mit Lizenzmodell. IICS ist die Cloud-/iPaaS-Schicht der IDMC-Plattform mit verbrauchsbasiertem Subscription-Modell und zusätzlichen Cloud- und KI-Funktionen.
Für Unternehmen ohne harte On-Premise-Auflagen und mit Cloud-Strategie kann der Hersteller-Pfad sinnvoll sein. Für regulierte Organisationen mit Residenz-Anforderungen ist der Cloud-Wechsel oft das größere Risiko.
Es existieren mehrere On-Prem-ETL-Plattformen, die PowerCenter-Workloads übernehmen können. Eine strukturierte Gegenüberstellung bietet der verlinkte Alternativen-Vergleich.
PowerCenter ist im Kern eine ETL-Plattform; die IDMC erweitert dies um Datenqualität, Datenmanagement und Governance.
Neue Funktionen entstehen ausschließlich in der Cloud. Die On-Premise-Plattform wird nicht mehr weiterentwickelt – mit der Salesforce-Übernahme hat sich dieser Fokus weiter verfestigt.
DSGVO-Datensouveränität, DORA-Drittparteienauflagen im Finanzsektor und die NIS2-Pflichten erhöhen den Prüf- und Dokumentationsaufwand bei SaaS-Plattformen erheblich.
Der Migrationsaufwand hängt vor allem von Umfang und Komplexität der Mappings, Workflows und Repositorys ab – nicht von der Zielplattform allein.
Spezialisierte On-Prem-Plattformen decken Datenmaskierung (Masking) und Testdatengenerierung lokal ab – relevant vor allem für Banking und Versicherung. Details im verlinkten Vertiefungsartikel.
Die Mappings funktionieren technisch weiter, erhalten aber keine Sicherheits-Updates mehr. Bei einer Migration müssen sie konvertiert oder neu aufgebaut werden.
IRI Voracity wird im DACH-Markt über JET-Software vertrieben – siehe das verlinkte Anbieterprofil auf it-dock.de.
KI automatisiert zunehmend einzelne ETL-Schritte (Mapping-Vorschläge, Datenqualität), ersetzt aber kurzfristig nicht die Integrations-Plattform als solche.
Talend, IBM, SAP, ein Open-Source-Stack und IRI Voracity im Vergleich – plus ein konkreter Migrationspfad aus PowerCenter heraus, ohne Cloud-Zwang.
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